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Polarlicht in Ersfjord
Samstag, 2.3.2019 – Oslo, Ankunft Tromsø

Wenn man einmal das Polarlicht erlebt hatte, wird man süchtig danach. Und da die letzte Reise in den Norden Europas schon wieder 2 Jahre her war, wurde es wieder Zeit. Diesmal wieder mit von der Partie: Katrin. sdrWir erreichten den Flughafen von Prag gegen 8Uhr morgens, gaben mein Auto wieder nahe des Terminals ab, wo es schon einige Male geparkt hatte und verbrachten die zweieinhalb Stunden bis zum Abflug nach Oslo recht entspannt in der Abflughalle. Nach dem zweistündigen Flug erreichten wir Oslo zur Mittagszeit und hatten nun sechseinhalb Stunden bis zum Weiterflug nach Tromsø. Ich hatte Oslo schon einmal besucht und war damals nicht so recht begeistert gewesen, aber zum einen hatte Katrin die Hauptstadt Norwegens noch nicht besucht und was soll man bei so viel Wartezeit sonst machen, außer sich im Flughafengelände rumzutreiben, welches sich auch nicht sonderlich von manch anderen Flughäfen unterscheidet. So entschieden wir uns für einen Kurztrip in die Innenstadt. Bei meinen letzten beiden Aufenthalten auf dem Osloer Flughafen hatte man immer sein Gepäck holen müssen, um es dann erneut für den Anschlussflug aufzugeben. Mittlerweile war der Flughafen so umgebaut worden, dass dieser recht zeitaufwendige Zwischenschritt entfiel und wir uns gleich zum Flytoget Airport Express unterhalb des Flughafens begeben konnten. Die Fahrt mit dem Schnellzug in Zentrum kostet umgerechnet etwa 20€ pro Strecke und wir erreichten nach ca. 25 Minuten Fahrt den Hauptbahnhof von Oslo. Diesen hatte ich allerdings etwas anders in Erinnerung gehabt und der alte Markthallenähnliche Eingangsbereich, den ich noch im Gedächtnis hatte, war nirgends zu entdecken. Wären wir durch diesen Eingang nach draußen gelangt, wären wir unmittelbar auf der Einkaufsstraße gelandet, die direkt zum Osloer Königsschloss führte. Allerdings war besagte Halle nicht aufzufinden, weshalb wir uns mithilfe von Google Maps einen anderen Weg ins Freie suchten und mit ein wenig Herumirren gelangten wir auf die Fußgängerzone, die zum Königssitz führt. Wir spazierten so durch die Innenstadt, die sehr gut besucht war und machten hier da mal einen Abstecher in die Nebenstraßen. Aufgrund der Sonne und des strahlenblauen Himmels wirkte Oslo diesmal hübscher auf mich als beim letzten Mal. Ich wagte es sogar die dicke Jacke bei +2°C ein wenig zu öffnen, da es doch wärmer war als gedacht.

Gegenüber des Nationaltheaters befindet sich ein Teil der Universität Oslos. Das Gebäude fiel mir wegen seiner klassizistischen Fassade schon beim letzten Mal ins Auge, allerdings hatte ich mich es nicht getraut das Gebäude näher in Augenschein zu nehmen. Diesmal wollten Katrin und ich es dann doch wagen. Die Universität war frei zugänglich und nach dem wir die Eingangstreppe passierten hatten, gelangten wir in die beeindruckende Aula der Universität.

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Wir hielten uns hier eine Weile auf, bevor wir unseren Stadtrundgang zum Schloss fortsetzen. Von dort aus ging es weiter zum Hafen, wo auch die Sonne nicht darüber hinwegtäuschen konnte, dass noch Winter war, denn vereinzelte Eisschollen schwammen am Kai.

Da wir noch ein wenig Zeit hatten, statteten wir der Festung Akershus nahe des Hafens einen Besuch ab. Das Gelände ist kostenfrei zu besichtigen und an einigen Stellen hat man von der Festungsmauer aus, eine gute Aussicht über den Hafen und Oslo selbst.

Auf dem Rückweg zum Bahnhof überkam uns dann langsam der Hunger und wir gönnten uns ein Sandwich bei einer großen internationalen Fastfoodkette. Am Bahnhof angelangt, fanden wir auch die Eingangshalle mit ihrem eher historischen Erscheinungsbild. Wenn man von außen den Hauptbahnhof betritt, gelangt man direkt dort hin, allerdings empfand ich den Zugang von dort aus Richtung Gleise eher etwas versteckt, weshalb ich vermute, dass ich diese Halle auch bei meinem nächsten Besuch wieder nicht auf Anhieb finden werde. DSC08583 Kopie Zurück am Flughafen entspannten wir die restliche Zeit in eine der Ruhezonen, bevor wir in den komplett ausgebuchten Flieger nach Tromsø steigen konnten. DSC08585Während des zweistündigen Flugs riss mich eine Durchsage des Kapitäns aus dem Dämmerschlaf. Mittlerweile hatten wir den Polarkreis überquert und es war stockdunkel draußen. Ich dachte nur bei mir, dass der Captain sicher nicht ohne Grund eine recht lange Durchsage machen würde und vermutete, dass es eventuell etwas mit dem Polarlicht zutun haben könnte, was sich bei seiner zweiten, nun englischsprachigen Ansage bestätigte. Er meinte, dass auf der rechten Seite das Polarlicht zu sehen sei und er das Licht löschen würde. Glücklicherweise saßen wir auf der rechten Seite, wenn auch nicht am Fenster, denn neben mir saß ein Niederländer, der es mir aber gestattete ihm ziemlich auf die Pelle zu rücken, um einen Blick auf das Nordlicht zu erhaschen. Zwischenzeitlich zerrte ich Katrin, die einen Gangplatz hatte auf meinen Schoß, damit wir beide aus dem Fenster schauen konnten und wahrlich, es war wirklich toll an zu sehen, wie es seine intensiv grünleuchtenden Bahnen über den Nachthimmel zog. Mit der Kamera das Ganze einzufangen, gestaltete sich recht schwierig aufgrund der Geschwindigkeit des Flugzeugs, aber wir hatten das Polarlicht zu Gesicht bekommen und es hinterließ ein zufriedenes Gefühl.
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Wir landeten gegen 21Uhr und während Katrin auf unser Gepäck wartete, stürmte ich zum Mietwagenverleih, denn erfahrungsgemäß wartet man dort recht lange, da Tromsø als recht kleiner Flughafen nicht so viele Vermietungsstellen hat. Nach einer halben Stunde machten wir uns auf den Weg zum Mietwagen, wo wir erstmal das Gepäck verluden und dann ein paar hundert Meter Richtung Ufer liefen, denn da war etwas dunkler und wir wollten sehen, ob die Aurora Borealis noch da war. Mit der Langzeitbelichtung der Kamera war sie als grüner Streifen über dem Gebiet zu sehen, mit bloßem Auge hätte es auch eine schmale Wolke sein können, aber das hieß für uns, dass wir später definitiv noch einmal losziehen wollten um auf Polarlichtjagd zu gehen. Zurück am Auto erhielt meine erste Freude über den VW Passat, den ich schon mal geglaubt hatte zu fahren, einen Dämpfer, denn bei näherem Begutachten fiel auf, dass das Innere des Wagens seltsam war. Soll heißen, die Kupplung fehlte und der Ganghebel war komisch. Mit Schrecken stellte sich die Erkenntnis ein, dass wir ein Automatikbetriebenes Auto erhalten hatten, obwohl ich definitiv keins gebucht hatte und weder Katrin noch ich kannten uns soweit damit aus, dass wir es überhaupt hätten starten können. Glück im Unglück hatten wir, als ich neben uns die Gruppe Niederländer entdeckte, die während des Fluges um uns herumgesessen hatte und ich hoffte einfach, dass mir einer von ihnen den Umgang mit der Automatik erklären könnte. Mein nun ehemaliger Sitznachbar aus dem Flugzeug erklärte dann geduldig die Herangehensweise und so konnten wir schlussendlich, nachdem wir innen die Scheiben freigekratzt hatten, das Flughafengelände verlassen, wenn auch übervorsichtig und im Schneckentempo.

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Unterwegs zu unserer Unterkunft auf dem Campingplatz im Stadtteil Tromsdalen hielten wir an einem Supermarkt, der bis 0 Uhr geöffnet hatte, um noch ein paar Sachen für die nächsten Tage zu holen, obwohl wir schon recht viel Essen mit hatten. Anschließend rief ich Jenny an, die genau den gleichen Typ Auto fuhr und klärte die restlichen Fragen zum Thema Automatikschaltung. Voll mit Wissen erreichten wir gegen halb elf den Campingplatz, wo wir eine kleine Hütte gemietet hatten. Der Schlüssel und die Wegbeschreibung dorthin war in einem Briefkasten am Informationszentrum hinterlegt worden. DSC08635Die Hütte war mit 2 Doppelstockbetten, einem Tisch mit Stühlen und einer Kochmöglichkeit ausgestattet. Allerdings war der Platz sehr beengt, weshalb man sich zu viert dort sicher ständig in die Quere käme, denn schon zu zweit wurde es recht eng. Ich hatte wiederrum im Vorfeld keine großen Erwartungen an die Hütte gehabt, denn für die zwei Nächte, die wir in Tromsø verbringen würden, zählte bei der Buchung nur der günstige Preis und das war er mit 35€ pro Nase definitiv. Außerdem hatte die Hütte trotz der sehr frostigen Temperaturen eine kuschelige Wärme innen, die mit zwei Heizlüftern erreicht wurde und die Gemeinschaftsbäder befanden sich 5 Schritte entfernt direkt gegenüber. Wir stellten gleich unser Gepäck ab und fuhren los Richtung Skulsfjord, denn dort hatte ich beim letzten Norwegenbesuch tolle Polarlichtfotos machen können. Allerdings zog der Himmel in diese Richtung merklich zu, weshalb wir auf halber Strecke umkehrten. Nach reichlicher Überlegung entschieden wir, unser Glück am Ersfjordbotn zu testen, der nicht weit entfernt lag. Oberhalb der Ortschaft Ersfjord gibt es, je nachdem wie die Schneeverhältnisse sind, zeitweise einen Parkplatz, von wo aus man auf den Ort und den Fjord blicken kann. Mit bloßem Auge war die Aurora kaum auszumachen, auf dem Kameradisplay erschien sie als grünliche Wolke über den Bergen. Wir fuhren ein Stück in den Ort und ließen das Auto am Straßenrand stehen. Zu dieser nächtlichen Stunde war eh keiner unterwegs. Katrin blieb aufgrund der Kälte von etwa -12°C anfangs im Auto, während ich mich zu einer der einsamen Fischerhütten am Wasser begab, wo es etwas dunkler war. Das Problem für Nachtaufnahmen ist hier immer, dass selbst die kleinsten Ortschaften komplett ausgeleuchtet sind, was das Fotografieren erschwert.

Nach einigen Aufnahmen wurde das Polarlicht auch für das bloße Auge deutlich sichtbarer und während ich zum Auto zurückrannte, um Katrin zu holen, hatte sie es selbst schon entdeckt und wenig später betrachteten wir beide vom Ufer aus, wie die Aurora in breiten grünen Streifen über die Berge und das Wasser wehte. Ein magischer Anblick. Das ganze Spektakel hielt etwa eine Viertelstunde, bevor sie wieder abflaute und wir uns dann mit dem Auto zum Campingplatz zurückbegaben.