Schlagwörter

, , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Gjirokastra

Dienstag, 24.4.18 – Einmal quer durch das Land Teil I – nach Gjirokastra

Der Morgen begann mit einem ausladenden Frühstück auf der Terrasse. Die Fülle der Speisen, die uns der Hausherr auftischte, reichte für den ganzen Tag.
Die Speisen waren überwiegend typisch albanisch, obwohl es auch Obst und Brot mit hausgemachter Marmelade gab. Alles war liebevoll zubereitet und sehr lecker.

Frühstück

Gegen 9 Uhr verabschiedeten wir uns vom Hausherrn und der netten Putzfrau, denen wir als Dankeschön für die tolle Bewirtung und die Gastfreundlichkeit, trotz des holprigen Beginns am Vortag, etwas mehr Geld da ließen.

DSC09759 Kopie

Es sollte eine der längsten Fahrten der ganzen Reise werden, das Navi hatte etwa 5 Stunden geplant.
Gleich hinter Korça fehlte erst einmal der Straßenbelag komplett und wir krochen in Schrittgeschwindigkeit über die Baustellenartige Straße. Das konnte ja heiter werden. Ich hatte im Vorfeld in diversen Reiseberichten über die schlechten Straßenverhältnisse in Albanien gelesen, nicht beleuchtete Autos oder betrunkene Fahrer, riskante Fahrstile. Da waren die sehr schlechten Straßendecken das kleinere Übel.

Nach einigen Kilometern wurde die Straße wieder besser und vorbei ging es an blühenden Obstbaumplantagen und Feldern Richtung griechische Grenze, der wir mehr oder weniger parallel folgten. Generell war die Gegend landschaftlich sehr schön. Wir kamen ab und zu durch kleine Ortschaften, es gab öfters Ausschilderungen zu Dörfern, bei denen wir uns allerdings fragten, welches Fahrzeug über die scheinbar fast unpassierbaren schmalen Schotterwege fahren sollte.

DSC09755 Kopie

Zeitweise prägten riesige Schlaglöcher oder komplett fehlender Belag das Straßenbild der SH75. An einer Stelle hatte ein Erdrutsch vor Jahren die Straße ins Tal befördert und war nicht beseitigt worden, weshalb wir in Schrittgeschwindigkeit über das Geröll holperten.

Das Motto war: Der Tag, an dem ein kleiner Skoda Fabia zum Geländewagen wurde.
Die extrem kurvenreichen und schmalen Straßen waren sehr anstrengend zu fahren, weshalb ich froh war, als wir nach etwa drei Stunden die Farma Sotira erreichten, die unser Vermieter in Korça empfohlen hatte.
Wir brauchten nach der Fahrt eine Pause und dabei hatten wir noch nicht einmal die Hälfte der Strecke geschafft.
Die Farm bot einen Campingplatz und ein kleines Restaurant. Zahlreiche Enten watschelten über das Gelände oder schwammen in den Fischzuchtbecken.

Man denkt, in dieser abgelegenen Gegend begegnet man sicher keinem Landsmann, aber nein, wir Deutsche, in diesem Fall explizit wir Sachsen, sind überall anzutreffen. Denn auf dem Campingplatz stand ein Wohnwagen mit Meißner Kennzeichen und auf der Fahrt zur Farm war uns ein Freiberger Wohnmobil entgegengekommen.
Da wir diese Tatsache recht witzig fanden und der Wohnwagenbesitzer auf der Suche nach Internet mit seinem Laptop sowieso gerade in unsere Richtung auf die Terrasse zu steuerte, verwickelten wir ihn gleich in ein Gespräch.
Unsere kurze Rast auf der Farm wurde dadurch etwas länger, denn der Herr aus dem Elbtal hatte viel über den Balkan und Albanien zu berichten, wo er und seine Frau insgesamt 4 Wochen unterwegs waren. Es wurde eine sehr angeregte Konversation.
Der Herr gab uns den Tipp, dass wir demnächst alle Karten und Navigationsbefehle ignorieren sollten, denn eigentlich würde man im nächstgrößeren Ort Leskovik der SH75 weiter folgen, die allerdings weiter nervenaufreibend schlecht bleiben sollte und nach fast 5 Stunden Fahrt auf dieser Straße hat man es irgendwann satt. Er empfahl uns kurz nach dem Ortseingang auf die SH65 nach Griechenland abzubiegen, die auf den Karten zwar noch unbedeutender und etwa 20 km länger erscheint, aber komplett neu gebaut ist, weshalb man trotz des Umwegs fast eine Stunde spart.

Gegen Mittag verabschiedeten wir uns und setzten unseren Weg nach Gjirokastra fort.
Wenig später tauchte ein Wohnwagen mit einem ERZ-Kennzeichen vor uns auf.
Als der Fahrer uns vorbeilassen wollte, musste er uns im ersten Moment sicher für bekloppt gehalten haben, denn wir hielten auf der schmalen Straße direkt neben dem Wohnmobil und grüßten bei heruntergelassener Scheibe etwas sehr euphorisch.

Die Straßenverhältnisse wurden leider nicht schöner und nicht weniger kurvenreich, mehr als eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 40km/h war kaum möglich.

Blick Richtung Griechenland

Wir näherten uns immer weiter der griechischen Grenze und die Landschaft mit ihren hohen schneebedeckten Bergen und grünen Hügeln war traumhaft schön.
Als wir irgendwann am Straßenrand für einen Fotostopp hielten, holte uns der ERZ-Wohnwagen ein und wir konnten uns mit ausgefalteter Landkarte mitten auf der Straße mit dem Ehepaar aus Aue in Ruhe unterhalten. Das war schon toll.

Nachdem wir das Wohnmobil hinter uns gelassen hatten, fanden wir recht schnell den Abzweig zur SH65. Der Tipp mit der anderen Route war super gewesen. Die Straße ließ sich sehr gut befahren und die Kilometer flogen fast schon dahin. Nichts war mehr übrig von der Quälerei der vergangenen Stunden.

Wir tangierten die griechische Grenze und bei 30°C ging es vorbei an atemberaubenden Landschaften mit tiefen türkisblauen Flusstälern und schneebedeckten Gipfeln.
Gegen halb 4 erreichten wir schließlich Gjirokastra und noch einmal waren starke Nerven gefragt. Unsere Unterkunft befand sich mitten in der Altstadt unweit der Burg und ich wusste, dass Gjirokastra an einem Berghang liegt, dennoch war mir nicht bewusst gewesen, wie steil die schmalen Straßen hinauf wirklich sein würden. Glücklicherweise ließen die hinabfahrenden Autos uns immer vorbei, denn auf diesen gefühlt 45 Grad steilen Straßen hätte ich nicht anfahren wollen.
Mit letzter Anstrengung meiner Nerven erreichten wir die Pension und wir konnten durchatmen.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

UnterkunftDie Pension befand sich in einem 200 Jahre alten Gebäude, das etwas an einen Burgturm erinnerte und wurde von einer Familie vermietet. Vom Garten aus hatten wir einen traumhaften Ausblick über Gjirokastras Altstadt.
Die Hausherrin wies uns eins der Zimmer im Erdgeschoss zu. Hier setzte sich ebenso der burgartige Charakter in der Inneneinrichtung fort.
Wir pausierten eine Weile auf der Gartenterrasse und recht schnell gesellten sich die beiden Kinder der Familie zu uns. Der neunjährige Sohn konnte mit ausgezeichneten Englisch glänzen und war rege an einem Gespräch mit uns interessiert. Die vierjährige Schwester konnte sprachlich super mithalten, wo ich mich fast für mein ab und zu holpriges Englisch schämte. So ergab es sich, dass wir eine Weile mit Ratespielen beschäftigt waren und der Junge uns später als Fremdenführer zur Burg begleiten wollte. Die beiden Kinder hinterließen einen bleibenden Eindruck auf uns. Vor den Toren der Burg trennten sich unsere Wege für diesen Tag.
Wir konnten froh sein, dass unsere Unterkunft nahe an der Burg lag, denn so mussten wir nicht den ganzen Berg hochschnaufen wie die anderen Touristen, auf die wir trafen.
Für 200 Lek (1,50€) durften wir das alte Gemäuer betreten.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

DSC09840 KopieIn Teilen davon ist altes Kriegsgerät ausgestellt, Panzer, Kanonen, Flugzeuge. Die anderen zugänglichen Areale der Festung wirkten mehr ruinenartig. Es gab keine Sicherungen und man konnte sogar Teile der Mauer erklimmen. Das war echt toll und spannend, da es viele Ecken zu entdecken gab und sich das Ganze schon abenteuerlich anfühlte. Außer uns waren nur noch eine Handvoll anderer Touristen vor Ort.
Von der Burgmauer aus eröffnete sich das volle Stadt- und Bergpanorama Gjirokastras unter uns. Eine wunderschöne Kulisse.
Hier oben vergaßen wir völlig die Zeit und überzogen die Öffnungszeiten gänzlich, allerdings wurde uns das am Ausgang nicht übel genommen. Fast alle Menschen, auf die wir während der Reise trafen, schienen sowieso sehr entspannt und gelassen zu sein.

Die Altstadt wirkte um die abendliche Stunde fast ausgestorben, wobei es in der Hauptsaison sicher oft anders aussieht, wenn die Tagestouristen aus Saranda in die kleine Stadt einfallen.
Auf der Suche nach etwas Essbaren rückten wir schließlich in ein kleines Restaurant ein. Für Kali gab es ein Geflügel-Pilze-Gericht, das sie zwischenzeitlich mit einer streunenden Katze teilte und für mich Schafkäse aus dem Ofen. Zum Nachtisch verkosteten wir albanische Spezialitäten.

Nach dem Essen wollten wir das nächtliche Altstadtpanorama von der Burg aus sehen, doch dort angekommen, war alles dunkel. Wir mutmaßten schon, ob es daran liegt, dass wir in der Nebensaison da waren.
Zurück an der Unterkunft trafen wir im Garten auf die Familie und deren Verwandte, die auf Korfu lebten. Wir gesellten uns dazu und wagten es schließlich die Frage zu stellen, ob es abends immer so dunkel in Gjirokastra wäre. Diese Frage sorgte für reichlich Verwirrung, es sei doch viel Beleuchtung da.
Es stellte sich heraus, dass wir einfach zu zeitig auf nächtliche Bild gewartet hatten, denn als wir kurz darauf noch einmal am Fuße der Festung waren, leuchtete die Altstadt.

Advertisements