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Alter Basar

Montag, 23.4.18 – Korça

Wir verließen Tirana am frühen Vormittag um unsere Albanienrundreise weiter nach Korça fortzusetzen.
Die Straßen waren wieder sehr gut gefüllt und die Navigation auf dem Handy ließ uns im Stich bzw. berechnete sinnlose Routen oder fand unseren Standort nicht. So wurde unsere Abreise aus Tirana stressiger und langwieriger als geplant.
Nachdem wir irgendwann die Hauptstadt hinter uns gelassen hatten, wurde alles besser.
Wir folgten anfangs der gut ausgebauten Autobahn Richtung Elbasan, wobei wir uns zwischenzeitlich kurz vom Weg abbringen ließen und uns schließlich in irgendwelchen Dörfern mit sanierungsbedürftigen Straßen wiederfanden.
Nach einigen Kilometern kehrten wir zurück zur Autobahn, denn das konnte nicht der offizielle Weg nach Elbasan sein, auch wenn ein Schild am Straßenrand etwas anderes behauptet hatte.
Die Autobahn befand sich streckenweise noch im Bau, weshalb wir dann doch ab und zu über die Landstraße kurvten, aber schließlich tauchte nach etwa anderthalb Stunden Fahrt die Ebene von Elbasan vor uns auf, wobei unzählige Strommasten das Bild der Landschaft prägten.
Für einen Aufenthalt in der Stadt hatten wir keine Zeit, da wir gegen Nachmittag in Korça sein wollten und noch ein ganzes Stückchen Weg vor uns lag.
Die gut asphaltierte SH3 führte uns an Flusslandschaften und Bergen vorbei, immer weiter Richtung Mazedonien.

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Am Qafë Thana Pass nahe des Ohrid-Sees, der zwischen Albanien und Mazedonien liegt, verließen wir die eigentliche Straße, um einen kurzen Abstecher Richtung mazedonischen Grenzübergangs zu machen, denn ich wollte die beeindruckende Bergkulisse, die sich auf mazedonischer Seite an den Ohrid-See schmiegt, fotografisch verewigen.
Am Bergpass selbst entdeckten wir einige ehemalige Bunker, die sich am Hügel befanden und da wir noch keine von Nahen gesehen hatten, marschierten wir einfach den Hang hinauf.
Albanien hatte eine recht bewegte Vergangenheit. Die meisten Bunker wurden zwischen 1972 und 1984 während der kommunistischen Herrschaft Enver Hoxhas erbaut, um das Land im Falle einer Invasion durch ausländische Truppen zu schützen. Von den ehemals fast 200.000 Bunkern im Land sind viele mittlerweile abgebaut, zerstört oder umfunktioniert worden, beispielsweise als Abstellkammer oder Restaurant. Es gab auch einige schön bemalte Bunker auf unserer Reise zu sehen.

Ohrid See

Nachdem wir ein wenig zwischen den Bunkern und am Hügel entlangspaziert waren, setzten wir unsere Fahrt nach Korça fort.
Die Straße am Ohrid-See wurde gerade teilweise neu asphaltiert und es gab einige nett hergerichtete Rastmöglichkeiten, wo wir einige Zeit das Blau des Sees und das malerische Bergpanorama dahinter genossen.

Ohrid See

Nach etwa einer weiteren Stunde Fahrt erreichten wir endlich Korça, es war schon kurz nach Mittag. In den vielen engen Straßen verlor das Navi recht schnell die Orientierung und wir irrten eine Weile durch die Stadt auf der Suche nach unserer Unterkunft. Irgendwann fanden wir sie in einer kleinen Gasse hinter der orthodoxen Kathedrale, dem Wahrzeichen Korças. Wir hatten die Unterkunft einige Monate vorher im Internet gebucht, da sie uns mit ihrem traditionellen, ein wenig osmanischen Erscheinungsbild und der rustikalen Einrichtung sehr zugesagte. Allerdings war ich später nicht noch einmal wegen der Ankunftszeit mit dem Besitzer in Kontakt getreten.

Nun standen wir vor dem verschlossenen schmiedeeisernen Eingangstor und wussten nicht recht weiter.
Nach kurzer Zeit erschien eine Frau, die der Dienstkleidung nach Zimmermädchen und Putzfrau in der Pension war. Sie schien reichlich verwirrt, denn scheinbar war nicht mit uns gerechnet worden. Wir versuchten ihr auf Englisch unsere Situation zu erklären, doch leider verstand sie kein Englisch und wir kein Albanisch.
Dennoch ließ sie uns erstmal eintreten und während sie den Besitzer versuchte telefonisch zu erreichen, parkte ich das Auto vor der Treppe, die zum Platz der Kathedrale führte.

Da wir scheinbar die einzigen Gäste waren, richtete sie schnell ein Zimmer für uns her, auf unseren Wunsch sogar mit zwei Bettdecken und nicht wie üblich mit einer großen. In Tirana hatte ich den Hotelangestellten etwas ins Schwitzen gebracht, als er sich auf die Suche nach einer zweiten Decke machte. In Korça klappte dafür alles ohne Probleme und dass obwohl wir uns mit der Frau nur mit Händen und Füßen unterhielten.
Wenig später erschien der Besitzer und wies uns darauf hin, dass wir ein größeres Zimmer gebucht hatten und ob wir denn wirklich in dem kleineren bleiben wollten.
Eigentlich sah das kleine Zimmer sehr gemütlich aus, aber wenn es uns schon mal angeboten wurde, konnten wir uns ja auch noch das größere anschauen.
Und das größere Zimmer war wirklich toll, sehr groß mit Vorzimmer, holzgetäfelt und liebevoll eingerichtet. Also beschlossen wir doch noch das Zimmer zu wechseln, allerdings mit schlechtem Gewissen, da die gute Frau (wir nannten sie später immer „unsere Putzfrau“) doch das andere Bett schon hergerichtet hatte. Sie war so eine liebe und gute Seele. Wir halfen ihr schnell, was sie mit einem strahlenden Lächeln quittierte und so konnten wir nach kurzer Zeit auf der Terrasse im Obergeschoss unser Willkommensgetränk inkl. Schnaps genießen und ließen uns die Sehenswürdigkeiten Korças vom Hausherrn erklären.

das Innere der KathedraleNach einer kurzen Entspannungsphase starteten wir zum Rundgang durch die Altstadt. Unser erster Halt war die benachbarte Auferstehungskathedrale, die das Stadtbild prägt. Das Innere war sehr prachtvoll ausgeschmückt, wobei wir nach kurzer Zeit den Rückzug antraten, da aus einer Ecke seltsame Geräusche ertönten, die klangen als würde jemand dort schnarchen und wir unsicher waren, ob wir überhaupt das Gebäude hätten betreten dürfen.

Wir folgten dem Bulevardi Republika durch die Innenstadt. Es gab immer wieder Häuser zu entdeckten, die ich eher nach Südamerika eingeordnet hätte.

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Auf einem nahen Hügel stand die kleine Schwester der Auferstehungskathedrale. Wir bahnten uns den Weg durch ein Wäldchen nach oben und obwohl der Trampelpfad an einer Treppe zur Shën Ilia Kirche endete, ließen mich die vor Ort grasenden Schafe vermuten, dass dies nicht mehr der offizielle Weg hinauf war.
Die Kirche war leider geschlossen, aber wir konnten die tolle Aussicht auf die Stadt von hier bewundern.

Unser nächster Punkt auf dem Stadtplan war das „Alter Basar“ Viertel.
Auf dem Hauptplatz gab es einige Restaurants und Cafés, doch das eigentliche bunte Treiben wie man es auf einem Basar erwartet, fehlte gänzlich. Wie wir später erfuhren, wurde dieses Viertel wenige Jahre zuvor komplett saniert und den Händlern und Handwerkern, die hier einst ihre Geschäfte betrieben, war gekündigt worden. Nun stehen fast zwei Drittel der Häuser leer und dieser Teil wirkte wie eine Geisterstadt, was sehr schade war. Ich hoffe, dass sich in den nächsten Jahren etwas tut, denn generell ist der Alte Basar ein sehr malerisches Viertel.

DSC09617 KopieWir machten noch einen Abstecher zur anderen Seite der Stadt zum Nationalmuseum für mittelalterliche Kunst, wo wir uns im Park davor ein wenig ausruhten, bevor wir mit einem Eis als Stärkung den Rückweg zur Pension antraten.
Gegen Abend begaben uns auf einen abschließenden Spaziergang durch die Stadt.

Unweit der Kathedrale steht in der Fußgängerzone ein Turm, von dessen Spitze man die ganze Stadt überblicken kann. Für gerade einmal 50Lek (ca. 40Cent) fuhren wir mit dem Fahrstuhl nach oben.

Die Sonne versank derweil hinter den Bergen und tauchte Korça in ein warmes Abendlicht. Eine wirklich grandiose Szenerie.

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Wieder unten angekommen, bummelten wir noch einmal durch das Alte Basar Viertel, bevor wir uns in einer Bar gegenüber der Kathedrale ein paar Cocktails genehmigten. Die Bar war ausgefüllt bis auf den letzten Platz und es herrschte reges Treiben. Bei meiner Wahl eines Erdnuss-Bananen-Smoothies wirkte der Kellner etwas skeptisch. Scheinbar trank den sonst niemand, obwohl er sehr lecker war.
Nach einer kurzen Runde durch die Altstadt begaben wir uns zur nächtlichen Ruhe zurück in die Pension.

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