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Kruja

Sonntag, 22.4.18 – Kruja & Durrës 

Die Nacht im Hotel war okay gewesen, allerdings war entspanntes Schlafen nur mit geschlossenem Fenster möglich, da die Hauptstraße vor unserem Hotel doch einen recht hohen Lärmpegel erzeugte.

Das Frühstück bestand aus einer Mischung aus kontinentalen Frühstück und einigen albanischen Spezialitäten. So konnten wir gut gestärkt in den Tag starten und machten uns gegen halb 9 auf den Weg nach Kruja.
Kruja ist eine kleine Stadt nördlich von Tirana, weshalb wir anfangs erst einmal wieder zurück Richtung Flughafen durch den chaotischen Stadtverkehr fuhren.
Irgendwann wurde die Anzahl der Fahrzeuge weniger und die Straßen schmaler und etwas entspannter.

Burg von Kruja

Wir querten kleinere Städte, deren Verkehr nicht weniger chaotisch wie in Tirana war. Teilweise zwangen uns der Straßenbelag, die Verkehrssituation oder extrem marode Brücken zur Schrittgeschwindigkeit, was die Reisezeit etwas verlängerte. Tirana-Martin hatte am Vortag fast schon entsetzt reagiert, als wir erklärten, wir würden selbst mit dem Auto durch Albanien fahren und er hatte uns sogar vor den schwierigen Verkehrsverhältnissen gewarnt. Aber irgendwie würden wir das schon überstehen.
Irgendwann schlängelten wir uns die Berge hinauf und ich war froh, dass uns auf dieser Strecke keine Reisebusse entgegen kamen, sonst hätte mich die schmale Straße zum Schwitzen gebracht. Der erste Blick auf die kleine Stadt Kruja, die sich an einen Steilhang der Skanderbeg-Berge schmiegt, war beeindruckend.

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Gegen 10Uhr erreichten wir das Zentrum und fanden recht schnell einen Parkplatz unweit der Altstadt.
Wir spazierten über den Basar Richtung der Festung, dem Wahrzeichen Krujas und einen der Nationalheiligtümer Albaniens. Der Basar erwachte gerade erst aus seiner Nachtruhe, dafür herrschte auf dem Weg zur Burg schon reges Treiben, denn einige junge Leute bemalten gerade den Fußweg, vermutlich in Vorbereitung auf ein Fest oder ähnliches.
Am Eingang zum Burggelände saßen zwei alte Herren im Schatten und einer sprach uns auf Englisch an, wo wir den herkämen. Als wir wahrheitsgemäß mit Deutschland antworteten, war die Freude seinerseits groß und er spulte sämtliche deutschen Wörter ab, die er kannte und bot uns noch einige seiner Bücher an, die er verkaufen wollte. Da diese aber in der Landessprache geschrieben war und uns daher nicht wirklich nützten, verabschiedeten wir uns dankend und begaben uns auf Erkundungstour über das Gelände.

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Von der alten Burganlage sind teils Ruinen und Grundmauern zusehen, das Hauptgebäude, das das Skanderbeg-Museum beherbergt und äußerlich einer historischen Festung nachempfunden wurde. ist ein monumentaler Neubau aus den 80er Jahren.
Das Museum selbst wollten wir nicht besichtigen, so erkundeten wir ein wenig das Gelände, von wo man teilweise schöne Ausblicke auf die Gebirgslandschaft und auch die Tiefebene unterhalb Krujas hat. Auf dem Gelände befanden sich mehrere Restaurants, doch aufgrund der relativ frühen Stunde lehnten wir die mehrmalige Einladung zum Kaffeetrinken von den Kellern ab.

Tekke

Auch das ethnographische Museum ließen wir aus, denn wir hatten ein anderes Ziel ins Auge gefasst, das wir uns näher anschauen wollten. Am Rande des Festungsgeländes, nur durch schmale, teils verwaiste Gassen zu erreichen, lag ein Gebäude, das mich von weiten an eine kleine orthodoxe Kirche erinnerte.
Als wir vor dem Eingang standen, wurden wir unsicher, ob dieses Gebäude überhaupt öffentlich zugänglich war, bis uns ein älterer Mann erspähte und uns mit viel Gestik hereinwinkte.
Trotz dass wir zu seinem Bedauern kein Italienisch verstanden, erklärte er uns mit wenigen Worten in Albanisch und Italienisch, was es mit dem Gebäude auf sich hatte. Einiges konnten wir uns daraus ableiten.

Das Gebäude, das Dollmatekke, ist eine Art Moschee, ein historisches Zentrum der Bektaschiten, einen der größten und einflussreichsten islamisch-alevitischen Derwischorden auf dem Balkan.
Das fand ich allerdings erst später nach etwas Internetrecherche raus, denn soviel verstand ich dann doch nicht aus der bruchstückhaften Erklärung des alten Mannes. Während der kommunistischen Zeit Albaniens war diese Tekke geschlossen, aber wurde 1990 als eine der ersten wiedereröffnet. In und um das Gebäude herum befinden sich mehrere Gräber von wichtigen Bektaschiten-Würdenträgern.

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DSC09461 KopieWir spendeten ein wenig Kleingeld und der ältere Herr bedankte sich ausgiebig für unser Interesse mit Bonbons und einem Loblied auf die Deutschen und ihre Regierung, die nach seiner Aussage viel für Albanien getan hatten.

Wir bummelten abschließend noch ein wenig über den Basar, wo es eine Mischung aus Antiquitäten und Ramsch gab. Ich erstand dort eine Flasche Cognac als Mitbringsel für meinen Vater. Teilweise war es nur etwas nervig, dass man von allen Seiten immer wieder angequatscht wurde, was sicher bezwecken sollte, dass wir uns die Auslagen näher anschauen könnten, aber eher bewirkte, dass wir unsere Schritte beschleunigten.
Als wir Kruja verließen, was es mittlerweile Mittag und einige Reisebusse rollten durch die engen Straßen an, was mich teilweise zu schweißtreibenden Ausweichmanövern brachte.

Von Kruja aus fuhren wir geradewegs nach Durrës ans Meer.
Wir fanden nahe der Strandpromenade an einer recht steilen Nebenstraße einen Parkplatz, was mich später beim Ausparken einiges an Nerven kostete.

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Die Stadt Durrës ist eine Mischung aus Alt und Neu. Die Strandpromenade bestand ausschließlich aus Neubauten mit zahlreichen Restaurant. Viele Familien mit Kindern tummelten sich zum Nachmittag hier zwischen Fahrgeschäften. Es herrschte eine Stimmung wie auf dem Rummel.

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Kali und ich hatte beide Lust auf Pizza oder Pasta und in einem der vielen Restaurants wurden wir fündig. Das Essen war ausgezeichnet und so gestärkt begaben wir zu einem Spaziergang durch die Stadt.
In Durrës befinden sich einige Überbleibsel aus der Antike, darunter ein römischer Marktplatz, die alten Stadtmauern und das römisch-griechische Amphitheater aus dem 2. Jahrhundert. Auch die Venezianer hinterließen ihre Spuren mit der alten Befestigungsanlage nahe der Strandpromenade.

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Die Innenstadt selbst ist nicht sehr groß, weshalb wir diese Sehenswürdigkeiten recht schnell besichtigt hatten und noch etwas auf dem modernen Hauptplatz mit der großen Moschee und dem Theater im kommunistischen Stil pausieren konnten, bevor es zurück nach Tirana ging.

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