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Baščaršija

Montag, 30.10.2017 – Von Sarajevo nach Mostar

Im Urlaub möchte man ja eigentlich etwas länger schlafen, aber irgendwie fand mein Körper, Schlaf wäre überbewertet. Ich wachte immer wieder auf, ob nun vom Regen oder aus Angst, das Auto wäre den Berg runtergerollt, weiß ich nicht, aber gegen um 6 war ich endgültig wach.
Wir packten unsere Sachen zusammen und brachen anschließend zu einem Morgenspaziergang durch Sarajevo auf.
Der Regen der Nacht hatte sich verzogen und die Sonne schien wieder. Die Stadt erstrahlte im herbstlichen Licht.

Wir folgten dem Fluss Miljacka, an dem einige sanierungsbedürftige Prachtbauten standen, eine Weile bis zur Kunstakademie.
Eternal FlameSie war uns schon am ersten Tag im Vorbeifahren aufgefallen, da ihr Äußeres sehr an das Parlament in Budapest erinnerte.
Von hier aus tauchten wir wieder ins Straßengewirr der Altstadt ein. Auf unserem Stadtplan war die „Eternal Flame“, also die Ewige Flamme eingekreist gewesen. Ich hatte sie mir etwas größer vorgestellt, aber sie brannte munter vor sich hin.

Über eine der Haupteinkaufsstraßen liefen wir Richtung Basar. Dabei fiel auf, dass auf etwa 200Meter vier Gotteshäuser unterschiedlicher Religionen fast aneinander gereiht waren: den Beginn machte eine der vielen Moscheen, es folgte eine orthodoxe, anschließend eine römisch-katholische Bischofskirche und den Schluss bildete eine Synagoge. Hier entfaltete der Beinamen Sarajevos seine volle Wirkung: das Jerusalem Europas.


Nach ein wenig Souvenirbummel über den Basar, der langsam zum Leben erwachte, kehrten wir zum Hostel und dem Auto zurück und starteten Richtung Mostar.

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Nach anfänglicher Verwirrung durch das Navi, denn es wollte uns unbedingt zur Autobahn leiden, was wir aber aufgrund der Maut nicht wollten, fanden wir die Landstraße.
Wir passierten zahlreiche Dörfer, die teilweise aus einem Drittel Bauruinen bestanden. Allgemein findet man in Bosnien besonders abseits der großen Städte viele nicht zu Ende gebaute oder nach dem Krieg nicht mehr wiedererrichtete Häuser.

Blick Richtung Dinarisches Gebirge

Dennoch war die Landschaft bemerkenswert. Die Bäume leuchteten golden am Fuße der Hügel und Berge, in der Ferne glänzten die schneebedeckten Gipfel des Dinarischen Gebirges.
Die Straße führte in die kleine Stadt Konjic. In der Altstadt gibt es eine Brücke über die Neretva, deren Fundamente aus der Römerzeit herrühren und die Konjic für Touristen interessant macht, wie wir bei unserer verzweifelten Parkplatzsuche feststellen konnten. Irgendwann ließen wir das Auto etwas weiter von der Altstadt entfernt auf dem Gehweg stehen. Da sich alle anderen durch ihren extrem riskanten und rasanten Fahrstil oder wilde Parkmanöver auch nicht an die Straßenverkehrsordnung hielten, passten wir uns einfach an und machten mit. Wir wollten sowieso nicht so lange bleiben.
Das Altstadtpanorama von der Brücke aus war wirklich schön. Am Ufer der Neretva befanden sich viele Wiedergeburtshäuser und die Minarette rundeten das Bild ab.
Die Altstadt selbst hatte nicht sehr viel zu bieten, weshalb wir nach einem kleinen Rundgang zum Auto zurückkehrten.

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Ich ging davon aus, dass die Straße, die an der Altstadt vorbeiführte uns weiter nach Mostar führen würde. Allerdings hatte ich vergessen, dass wir vorher die eigentliche Hauptstraße verlassen hatten und uns nun auf einem Irrweg befanden. Da es aber eine Ausschilderung „Boračko Jezero“ gab und ich noch aus dem kroatischen wusste, dass „Jezero“ See bedeutet, entschlossen wir uns trotzdem weiter der kleinen Gebirgsstraße zu folgen. Es war ja erst Mittag und wann hat man schon mal die Chance quer durch entlegenere Gegenden Bosniens zu fahren.
Die Straße wurde immer steiler und schmaler und die vorgeschriebenen 30km/h hatten durchaus ihre Berechtigung. Auf der Strecke boten sich immer wieder schöne Ausblicke auf die Berge und Täler, allerdings gab es kaum Haltemöglichkeiten und ich musste mich leider auf die kurvenreiche Straße konzentrieren.

Irgendwann ging es wieder ins Tal hinab. Unten glitzerte das Blau des Sees.
Die Gegend um den See wirkte recht verlassen, es gab zwar ein Restaurant und eine Handvoll Häuser, aber diese wirkten nicht bewirtschaftet und mehr als zwei ältere Herren und zwei Katzen bekamen wir nicht zu Gesicht.
Ich denke, im Sommer ist hier mehr los, denn es gibt auch einen großen Campingsplatz und die Bilder im Internet zeigen genug Badegäste.

Auf dem Steg des geschlossenen Restaurants genehmigten wir uns ein paar mitgebrachte Snacks zum Mittag und genossen die Oktobersonne bei 12°C.
Wir hätten der Straße vermutlich auch weiter nach Mostar folgen können, doch das hätte eine Stunde Umweg bedeutet, weshalb wir nach Konjic zurückfuhren.

Gegen 15 Uhr erreichten wir die ersten Ausläufer Mostars. Das entspannte Fahren auf der Landstraße war je zu Ende und wir fanden uns im Feierabendverkehr auf einer mehrspurigen Hauptstraße wieder. Das Navi hatte uns prompt fehlgeleitet und so hingen wir im Stau fest. Nach mehrmaligen Verfahren fanden wir schließlich unsere Unterkunft, die sich zwischen dem Fluss Neretva und der Hauptverkehrsstraße befand, allerdings war vom Straßenlärm nichts zu hören.
Unser Vermieter mit kleiner Tochter im Schlepptau begrüßte uns freundlich, zeigte uns die nutzbaren Parkplätze vor dem Haus und führte uns in unser Appartement. Eigentlich hatten wir ein anderes Zimmer gebucht, das etwas kleiner war, doch unser Vermieter gab uns das Größere mit fast 5 Schlafmöglichkeiten mit den Worten, wir wären ja zu zweit und der andere Gast alleine, also wäre das größere Zimmer für uns besser. Vielen Dank dafür, denn es war wirklich schön. Es gab eine kleine Kochecke mit Kühlschrank, Mikrowelle, Wasserkocher und einer Herdplatte, für unsere Zwecke absolut zureichend. Im Innenhof befand sich sogar einen Pool, der vor wenigen Tagen von russischen Gästen noch genutzt wurde, wie unser Gastgeber zu berichten wusste, doch uns war das Ganze bei durchschnittlichen Außentemperaturen von 5-12°C doch zu erfrischend. Für etwa 10€ pro Nase die Nacht war an der Ausstattung wirklich nicht zu meckern, da sieht man auch mal über eine lockere Gardinenstange oder ein defektes Rollo hinweg.

Nachdem wir alles ausgepackt hatten, begaben wir uns zur Altstadt Mostars, die fußläufig etwa 15 Minuten entfernt lag. Auf dem Weg dorthin passierten wir mehrere kleine Supermärkte, also würden wir auch nicht verhungern.

Endlich lag sie vor uns: die Stari Most (Alte Brücke) und die Altstadt. Es wirkte wie aus einem orientalischen Märchen.
Am Fuße der Brücke tummelten sich noch einige Touristen, die die Brücke fotografierten. Ich möchte nicht erleben welche Massen hier im Sommer einfallen.

In Mostar gibt es auch einen hübschen Basar, der sich quer durch die Altstadt zieht, wo man Schmuck, Kaffeeservice aus Messing oder auch orientalische Lampen erwerben kann. Ich liebe diese Lampen und hätte ich nicht schon drei zu Hause gehabt, wäre ich sicher mit einer weiteren nach Hause gefahren.

Wir liefen quer durch die Altstadt Richtung Busbahnhof, denn wir wollten erkunden, wie lang wir dorthin brauchen würden, denn am Mittwochmorgen mussten wir pünktlich um 7 dort sein.
DSC03192Den Busbahnhof fanden wir schließlich und so ging es durch Gassen mit vielen baufälligen Häusern zurück in die hübsche Altstadt. Da wir schon mitbekommen hatten, dass die Preise in Bosnien für unsere Verhältnisse sehr niedrig waren, wagten wir es uns nach einer passenden Essensmöglichkeit umzusehen. Wir ließen uns im Außenbereich eines hübschen Restaurants nieder und bestellten Tee und eine einheimische Gebäckvorspeise. Für Katrin gab es einen Teller Pljeskavica, also eine Art Hacksteak auf Fladenbrot und da ich mich für Fleisch nicht sonderlich begeistern kann, fiel meine Wahl auf Penne Arrabiata, allerdings nicht scharf.
Für alles zahlten wir gemeinsam 20€. Da kann man sich das Essengehen auch mal leisten.Katzenfüttern
Während des Essens wurden wir von einigen Katzen umlagert, die gierig auf unsere Teller starrten. Hätte Katrin sich nicht als eisern erwiesen, wäre ich sicher weich geworden und hätte mein Essen verfüttert.

Auf dem Heimweg begegneten wir einer kleinen Katze, die schon auf dem Hinweg am Straßenrand gehockt hatte. Da sie so mager aussah und die Umlagerung der Katzen mir im Gedächtnis geblieben war, sprang ich kurzer Hand über die Straße in den nächsten Supermarkt und erstand für 1€ zwei kleine Päckchen Katzenfutter.
Die Kleine fiel sofort über die vor ihr verteilte Hälfte her, doch leider konnte sie nicht alles aufessen, denn nach kurzer Zeit machte ihr ein streunender Hund das Futter streitig. Katze sein in Bosnien scheint nicht leicht zu sein. Das restliche Katzenfutter nahm ich mit, um in den nächsten Tagen gegebenenfalls noch andere Streuner glücklich zu machen.

DSC03211 Kopie

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