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Montag, 24.10. – Arashiyama

Die eine Nacht im Doppelstockbettzimmer war okay gewesen. Unsere beiden Zimmergenossinnen waren zeitig aufgestanden und wir somit auch. Schnell suchten wir unsere Habseligkeiten zusammen und begaben uns auf den Weg zur nächsten Unterkunft, die wir nach einer Viertelstunde Fußmarsch erreichten.
Ich merkte schnell, dass heute mit viel Laufen nichts werden würde, denn mein linker Fuß schmerzte weiterhin und fühlte sich geschwollen an. Mehr als langsames Humpeln war nicht drin.

dsc01315Im „Kyoto Guesthouse Lantern in Gion“ wurden wir fröhlich von einem etwas aufgedrehten Japaner begrüßt, der scheinbar ein echter Spaßvogel war.
Das Gästehaus befand sich in einem 120 Jahre alten traditionell japanischen Haus, das aber in den letzten Jahren auf recht neuen Stand gebracht worden war. Trotz der frühen morgendlichen Stunde durften wir unsere Sachen abstellen und ich erinnerte mich, dass man hier Fahrräder ausleihen könnte, was natürlich mein Fußdilemma erleichtern würde.
Unser Gastvater bereitete uns umgehend die Fahrräder, die vor dem Gebäude standen, vor. Ich lieh mir ein etwas größeres für 900Yen und Katrin ein kleineres für 700 Yen und unsere Tour vom Stadtteil Gion nach Arashiyama auf der anderen Seite Kyotos konnte losgehen.

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Außenmauer des Kaiserpalasts

Es dauerte einige Zeit, bis wir uns an die umgekehrten Straßenverhältnisse, dem Linksverkehr, angepasst hatten. Dennoch passierte es uns im Laufe des Tages immer wieder, das wir auf der falschen Seite fuhren, wobei selbst die Japaner fahren, wie sie wollen, denn ständig kam uns ein Fahrradfahrer auf unserer Spur entgegen. Scheinbar kümmerte sich niemand drum.
Anfangs folgten wir dem Fluss Richtung Norden und bogen dann zum ehemaligen Kaiserpalast ab, wo wir auf einer der Bänke im Park frühstückten. Die Anlage ist riesig. Ein Besuch des Inneren wäre sicher interessant gewesen, doch wir begnügten uns damit an den Außenmauern entlang zu radeln, denn für langes Anstehen am Einlass hatten wir keine Geduld.
Unterwegs fanden wir ein Postamt, wo wir unsere Postkarten loswerden konnten.

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dsc01377Gegen Mittag erreichten wir das Gelände des Goldenen Pavillons Kinkakuji und fanden recht schnell einen Fahrradparkplatz.
In Japan muss man aufpassen, wo man sein Fahrrad abstellen kann, denn wer sein Fahrrad nicht an dafür vorgesehenen Fahrradparkplätzen abstellt, muss damit rechnen, dass es abgeschleppt wird.

sWie schon beim letzten Besuch des Kinkakuji waren Massen an Touristen unterwegs und wir mussten etwas Geduld beweisen, bis wir ein Erinnerungsfoto vom Pavillon hatten, der in der herrlichen Herbstsonne strahlte und glänzte.
Am Ende unseres Rundgangs durch das Gelände kauften wir noch Glückstafeln und Eis. Für mich gab es schwarzes Sesameis und für Katrin grünes Teeeis.

Wir radelten weiter zum Toji-in Tempel. Nachdem wir mehrmals im Kreis durch die Wohngegend gefahren waren und trotz Navi den Tempel nicht fanden, gaben wir auf. Im Nachhinein stellte ich fest, dass ich den Tempel verwechselt hatte. Ich hatte Ausschau nach der Pagode des Toji Tempels gehalten, doch dieser war in dieser Gegend nicht zu finden, da er viel weiter südlich lag. Den Tempel, den ich im Navi eingegeben hatte, war der Toji-in Tempel, aber dieser besaß keine Pagode.
Ich hatte meinem Navi Unrecht getan, denn eigentlich hatte es uns zum Ziel geführt, doch wir hatte es als solches nicht wahrgenommen.

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dsc01388-kopieWir fuhren weiter Richtung Westen durch ruhige, kleine Straßen einer Wohngegend.
Dass wir uns Arashiyama näherten, merkten wir schnell, denn bald war ein Durchkommen mit dem Fahrrad aufgrund der Besucherströme nur noch schwer möglich.
Auf der Flussinsel parkten wir die Fahrräder und stärkten uns am Flussufer mit Snacks. Die traumhafte Landschaft aus sanften Bergen, die der Fluss durchquerte, animierte dutzende ältere Menschen zum Malen und das konnten sie wirklich gut.
Da mein Fuß für heute noch wenig belastet war, entschieden wir uns dazu, lieber gleich den benachbarten Affenberg zu erklimmen. Der Aufstieg durch den Wald war sehr anstrengend und wir kamen recht schnell mit einen Niederländer ins Gespräch, der auch auf Urlaub in Japan war.

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dsc01477Oben angekommen machte der Berg seinem Namen alle Ehre. Unzählige Affen tummelten sich zwischen den Touristen oder sonnten sich.
Im Umgang mit den Affen waren einige Regeln zu beachten. Beispielsweise durften sie außerhalb einem speziell dafür vorgesehenem Häuschen nicht gefüttert werden.
In dem Haus erstanden wir für 100Yen Futter und konnten die Affen, die außen an den Gittern hingen, füttern. Ein tolles Erlebnis.
Zusätzlich wurden wir mit einer beeindruckende Aussicht über ganz Kyoto belohnt.

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Wir gingen zurück ins Tal, also Katrin ging, ich humpelte. Trotz des Fußleidens wollte ich zum 10 Minuten entfernten Tenryu-Tempel, der zum Unesco-Weltkulturerbe zählt. Ich konnte ja nicht einfach nur rumsitzen und darauf warten, dass der Tag vorbei ging.

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Der Tempel wirkte von außen nicht sonderlich beeindruckend, außerdem waren so viele Menschen unterwegs, dass ich keine Lust mehr hatte und wir uns den Eintritt sparten und weiter zum Bambuswald gingen.
Ein Pfad schlängelte sich durch den Bambuswald, nur der Andrang an Besuchern minderte die Atmosphäre etwas.

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Takiguchi-dera

Zurück bei den Fahrrädern beschlossen wir zum nahen Takiguchi-dera zu fahren, ein kleiner Tempel, der mitten in einem Bambuswald liegt und nicht sonderlich bekannt zu sein scheint. Somit konnten wir auf etwas Ruhe hoffen.
Nach einer Viertelstunde erreichten wir das Gelände, wo uns seltsame Schilder in einer sehr verlassenen Gegend begrüßten. Die Schilder wirkten, als wollten sie Besucher abschrecken. Scheinbar wirkte das auch, denn wir waren die Einzigen vor Ort, bis auf den Herrn an der Kasse.
Der Takiguchi-dera war nicht sehr ausgewöhnlich, dafür konnten wir die Stille umso mehr genießen. An solchen Orten wird man in einer recht hektischen und starkfrequentierten Stadt entschleunigt.

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dsc01602-kopieGegen um 4 radelten wir weiter zum Daikaku-ji Tempel. Da wir uns am Stadtrand entlang bewegten, kehrte ein fast ländliches Gefühl ein, als wir Gemüsefelder und Beete passierten.
Der Daikaku-ji Tempel lag an einem See und von außen war die Pagode des Tempels gut sichtbar. Wir trafen erst kurz vor der Schließzeit und die Sonne langsam unterging, weshalb wir uns gegen den Eintritt entschieden und das Gelände nur von außen begutachteten.

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Die Dämmerung in Japan dauerte nur kurz, weshalb wir froh waren, dass die Fahrradlampen gut funktionstüchtig waren und uns den Heimweg erhellten.
Langsam taten die Hinterteile weh. Wir machten einen kurzen Halt an einem 100Yen Shop, wo ich nach neuen Schuhen Ausschau hielt, da mir meine mittlerweile von den Füßen fielen. Doch es gab keine passende Größe für mich.
Auf dem Rückweg verfuhren wir uns mehrmals und kurz vor unserer Unterkunft fuhr ich fast eine Maiko, eine angehende Geisha, über den Haufen, die plötzlich aus einem Hauseingang trat.

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Bevor wir unser Zimmer beziehen konnten, zeigte uns der Gastvater auf seine eigene und komische Art das Haus. Wie üblich in den alten japanischen Häusern befand sich ein kleiner Garten in der Mitte, an den die Toiletten und Duschen angrenzten. Es gab eine Küche und einen Gemeinschaftsraum, den wir aber nicht nutzen, da wir ein recht großes traditionelles Tatamizimmer mit Futons hatten. Diese Unterkunft zeigte ein deutlich besseres Niveau als die letzte, weshalb ich mich selbst beglückwünschte bei dieser Buchung geblieben zu sein.
Auf Nachfrage, ob es in der Nähe Restaurant oder ähnliches gäbe, würde wir enttäuscht.
Dafür kauften wir im Fresco um die Ecke Instantsuppen und Sushi, was sehr lecker war.

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