Schlagwörter

, , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Freitag, 21.10. – Hiroshima

Nach einem kleinen Keksfrühstück brachen Katrin und ich gegen viertel 10 zum Bahnhof auf, um mit dem Shinkansen nach Hiroshima zu fahren.
Der Himmel weinte etwas über unseren Abschied.
Katrin und ich hatten im Zug getrennte Sitzplätze, doch meine Sitznachbarin machte uns verständlich, dass sie gerne mit uns tauschen würde, damit wir nebeneinander sitzen können. Eine echt nette Frau.

dsc00512-kopie
Für die etwa 250km lange Strecke brauchten wir einer Stunde.
Am Bahnhof angekommen hatte ich die glorreiche Idee, dass wir die drei Kilometer bis zum Hotel ja zu Fuß zurücklegen könnten, da wir zu dem Zeitpunkt nicht wussten, welche Straßenbahn wir nutzen sollten. Im Nachhinein war das Ganze eine blöde Idee, denn durch die schweren Rucksäcke zog sich der Weg in die Länge.
In einer Shopping Mall erstanden wir noch einige Sachen, bevor wir unser Hotel nahe des Friedensparks im Zentrum Hiroshimas erreichten.
Dort konnten wir unsere Sachen abgeben.

dsc00517-kopie

An diesem Tag ließ mich die Wetterapp im Stich, denn diese sprach von kühlen 9°C und wir brachen bei angenehmen 20°C zum ersten Spaziergang durch Hiroshima auf.
Am Friedenpark gönnten wir uns eine kleine Stärkung mit Gebäck und erlebten wir den ersten Schock: Massen an Besuchern. Ich wünschte mich nach Fukuoka zurück.


Vom weltbekannten Atombombendom spazierten wir zur Burg von Hiroshima. Die Burg ist ein Betonnachbau, da der Angriff 1945 nichts übrig gelassen hatte. Ich hatte sie bei meinem ersten Besuch schon einmal besichtigt, deshalb ließen wir es diesmal ausfallen und erkundeten lieber den Park und freuten uns über die wenigen rotgefärbten Bäume.

dsc00565-kopie15326170_1291291317610803_5580070851474922694_oUnweit der Burg befand sich der Shukkeien Park, der sich als wahre Wohltat für die gestresste Touristenseele entpuppte.
Am Eingang wurden wir von einem älteren Herren begrüßt und aus Gewohnheit grüßten wir brav zurück, was in Japan aber eher unüblich scheint. Man trifft hier in vielen Geschäften, Museen oder Parks Leute am Eingang, die den ganzen Tag die Besucher Willkommen heißen, doch die Japaner scheinen das nur zu Kenntnis zu nehmen, denn man grüßt eben nicht zurück.

15016201_1254823464590922_1950380001816117688_o

Für 260Yen betraten wir die grüne Oase mit den vielen Brücken und einem tollen Blick auf die Hochhäuser der Stadt.
An einer Stelle erstanden wir Fischfutter, um die Kois zu füttern. Die überschlugen sich fast vor Freude, jedenfalls wirkte es so. Ich hatte eher Angst, dass sie sich gegenseitig ersticken würden, so wie sie über das Futter herfielen.

Wir beendeten unsere Runde durch Hiroshima am Bahnhof, denn wir wollten noch einen Abstecher ins einstündig entfernte Iwakuni machen. Dank den JR Pass war die Strecke für uns kostenfrei.
Was wir nicht wussten, war, dass Iwakuni zwei Bahnhöfe besitzt. Von der Endstation, wo wir ausstiegen, war das Flusstal mit der berühmten Holzbrücke, das wir besichtigen wollten, etwa 5km entfernt. Doch das merkten wir erst, nachdem wir schon losgestiefelt waren. Schnell kehrten wir um und suchten uns ein Taxi. Es hätte sicher eine Bus- oder Bahnverbindung gegeben, doch wir waren zu faul zum Suchen und die Zeit schritt voran, denn es war schon halb 4 nachmittags. Wir investierten lieber 700Yen pro Person.

15016289_1254823447924257_739492609233251682_o

dsc00699-kopieAm Fluss angekommen stellte sich wieder eine Art ländliches Kleinstadtgefühl ein.
Wir wollten einmal die Kintai-Brücke mit ihren vielen Bögen überqueren und das ehemalige Samurai-Viertel am anderen Ufer besuchen.
Die Damen an der Brückenkasse freuten sich, als wir uns als Deutsche zu erkennen gaben und bedanken sich in unserer Muttersprache.
Über dem Samurai-Viertel thront auf dem Berg die Burg, die mit einer Seilbahn zureichen ist.
Da allerdings das Wetter keine klare Sicht versprach und das Gebäude als solches sehr klein ist, entschieden wir uns gegen eine Bergfahrt.
Das Samuraiviertel hatte jede Menge Eisläden zu bieten, kleine traditionelle Häuser und einen Irisgarten, der aber nicht blühte.

dsc00682-kopie

dsc00719-kopieWir wollten nicht wieder mit dem Taxi zurückfahren, also liefen wir 20 Minuten durch die Altstadt zum zweiten Bahnhof Nishi-Iwakuni. Dort wurden wir von einer seltsamen Schülerin angesprochen, die uns Touristen vielleicht nur helfen wollte, aber in ihrer Direktheit uns ein Gespräch aufzuzwingen und ihrem starren Blick etwas gruselig wirkte.
Der Zug traf glücklicherweise schnell ein, doch unsere Flucht vor dem Mädchen gelang nicht auf Anhieb, denn wir wollten vorne beim Fahrer einsteigen, wo die Tür aber verschlossen blieb, da man üblicherweise in Japan hinten ein- und vorne ausstiegt.
Die restliche Heimfahrt verlief ohne Vorkommnisse.

dsc00740-kopieBei meinem letzten Besuch vor 6 Jahren hatte ich das erste Mal in Hiroshima Okonomiyaki gegessen und zwar im Okonomimura, einem Haus, wo sich auf mehrere Etagen kleine Okonomiyakirestaurants verteilen. Okonomiyaki ist ein Gericht, das auch japanische Pizza genannt wird, aber mit Pizza nichts gemein hat, außer dass man es mit allen möglichen Zutaten belegen kann. In Hiroshima wird Okonomiyaki meist mit Nudeln serviert.
Wir trafen zur besten Essenszeit ein und die Essensnischen waren belagert von Schülern.
Nach einigem Suchen ergatterten wir doch noch Plätze und bestellten Okonomiyaki mit Bacon und Meeresfrüchten. Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht und das Essen war sehr lecker. Das Gericht wurde auf einer heißen Platte vor uns zubereitet und blieb damit auch die ganze Zeit beim Essen sehr heiß.

dsc00749-kopie

Zurück im Hotel nutzten wir die hauseigene Waschmaschine und den Trockner. Nach einigen Startschwierigkeiten gelang das Waschen.
Zurück im Zimmer schaltete ich mein Handy ein und erfuhr aus einigen Nachrichten, dass es gegen 14Uhr ein Erdbeben der Stärke 6,6 im Westen der Insel gegeben hatte. In Hiroshima muss es noch eine Stärke 4 gehabt haben, doch wir hatten davon nicht mitbekommen. In dieser Zeit waren wir vom Shukkeien Park auf dem Weg zum Bahnhof gewesen. Im Nachhinein fiel mir ein, dass wir dabei eine Schule passiert hatten, wo mehrfach Lautsprecherdurchsagen gekommen waren. Doch da wir nichts verstanden hatten, war es für uns irrelevant gewesen.
Julia schrieb, dass man Beben der Stärke 4 auch nicht unbedingt merkt, wenn man sich im Freien aufhält, dennoch blieb ein mulmiges Gefühl.

Advertisements