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Mittwoch, 19.10.16 – Karatsu

Am Vorabend war mir aufgefallen, dass das Display meiner Kamera eine Beschichtungsfehler aufwies. Doch alles Jammern half nichts und nach schwülen 4 Stunden Schlaf meinerseits begann eine neue Fototagestour.
Unser Frühstück bestand aus Gratistee von unserem Gästehaus und den restlichen Keksen der letzten Tage.

Ein Grund, warum ich in den Süden Japans, nach Fukuoka reisen wollte, war, dass dort eine Internetfreundin wohnte und was gibt es besseres, jemanden auch im realen Leben kennen zu lernen und derjenige einem vielleicht auch interessante Dinge vor Ort zeigen kann, die man nicht im Reiseführer findet.

Wir trafen uns mit Julia gegen 9Uhr am Meinohama Bahnhof.
Julia hatte mir nur geschrieben, dass sie am Nordausgang warten würde, doch als wir im Gebäude standen, gab es keinen Nordausgang. Glücklicherweise hörte ich von irgendwoher meinen Namen.
Und da stand sie.
14884604_1247057298700872_2576378885165900387_oNach einer herzlichen Begrüßung stiegen wir in den Zug, um ins etwa einstündig entfernte Karatsu zu gelangen.
Die Zugstrecke führte zwischen Bergen und Reisfeldern hindurch, immer am Meer entlang.
Gerade auf dieser Strecke wird einem bewusst, wie viel Natur Japan zu bieten hat. Wer was anderes behauptet, hat sich nie genau umgesehen. Ich bin eh mehr der Natur- und Kleinstadtfreund, als dass ich mich sehr für riesige Metropolen wie Tokyo begeistern könnte. Sobald man die Großstädte verlässt, begegnet einem deutlich mehr Ruhe.

Die Stadt Karatsu liegt direkt am Meer.
Drei Stationen vor Karatsu stiegen wir aus, da wir uns der Stadt vom Strand aus nähern wollten. Wir durchquerten einen Kiefernwald voll verkrümmter Bäume und Spinnen und dann endlich sahen wir das Meer. In diesem Fall das Chinesische Meer, das etwas aufgewühlt erschien. Ein paar Tage zuvor war ein Taifun über die Insel gefegt und hatte auch einiges an Schwemmmaterial und Müll am Strand hinterlassen.
dsc00122Dennoch wagten Katrin und ich es die Schuhe auszuziehen und die etwa drei Kilometer lange Strecke zur Stadt barfuß zurückzulegen. Ab und zu mussten wir vor anrauschenden Wellen fliehen, doch das Wasser war recht warm. Im Großen und Ganzen war es ein tolles Erlebnis, denn wann hat man sonst die Chance fast alleine am Meer in Japan spazieren zu gehen. Dabei fanden wir einige interessante Muscheln und konnten Raben mit Milanen beim Streiten beobachten.

Am Strand befand sich ein Hotel, das für 1800 Yen Menüs mit unterschiedlichen Gängen anbot. Julia kannte sich schon aus und so konnten wir als einzige westliche Besucher ein Menü mit Sashimi, gefüllter Aubergine, Sushi, Miso und einigem anderen genießen. Dabei lernten wir von Julia, dass anders als in Deutschland die Suppe am Ende der Mahlzeit geschlürft wird.
Ich hatte das Gefühl die Hotelangestellten hatten etwas Angst vor uns wegen der Sprachbarriere, aber da Julia als Übersetzerin fungierte, löste sich schnell deren Anspannung.

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Nach dem Essen folgten wir kleinen Gassen Richtung der Burg von Karatsu.
Bevor wir die Burg erklimmen konnte, wollte eine uns unbekannte Japanerin unbedingt ein Foto mit uns machen. Vermutlich waren wir wirklich ein seltener Anblick in der kleinen Stadt.
Die Burg wurde zum Zeitpunkt unseres Besuchs teilweise saniert.

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Von oben hatte man einen herrlichen Ausblick auf die Bucht. Die Stadt schien dabei wie auf einer kleinen Insel zu liegen.
Wir wollten mit dem Zug zurückfahren, doch wir kannten den genauen Weg zum Bahnhof nicht. Dafür fragte Julia eine Frau, die uns eine Wegbeschreibung gab und netterweise fast den gleichen Weg hatte wie wir, denn sie rief uns immer wieder von der anderen Straßenseite zu, wann wir abbiegen müssten.

dsc00197Mit dem Zug ging es nach Itoshima, wo sich in den Bergen der Sennyo-ji Tempel befindet. Eine Wanderung dort hinauf wäre zu weit gewesen, also blieben nur der Bus oder ein Taxi. Es gab aber keinen Bus in greifbarer Nähe und der Busfahrplan war auch nicht sonderlich hilfreich, so entschieden wir uns schließlich für ein Taxi. Für ca. 7€ pro Nase brachten wir die viertelstündige Autofahrt schnell hinter uns. Der Fahrer war sicher sehr froh, dass Julia auf Japanisch kommunizieren konnte, sonst hätte bedrücktes Schweigen geherrscht. Er gab uns für den Rückweg eine Visitenkarte mit.
14976374_1248200131919922_4442698521565290580_oDer Sennyo-ji liegt abgeschieden am Mt. Raisen, so verirren sich nicht sehr viele Touristen her. Die Berge waren von Wolken verhüllt, was dem Ganzen eine mystische Atmosphäre verlieh.
Wir nahmen an einer Trommelzeremonie mit einem Mönch teil, der sich stark dafür interessierte, wo wir herkamen, denn scheinbar kommen recht wenige westliche Touristen zu Besuch. Erst Mitte November verwandelt sich der Tempel in einen wahren Besuchermagnet. Zu diesem Zeitpunkt verwandelt sich das Blätterkleid des großen, 300 Jahren alten Ahornbaums in der Mitte des Tempels in leuchtendes Rot. Wir sahen nur ein paar roteingefärbte Spitzen.
Das Schöne an dem Tempel ist die Ruhe. Die Tempel in Kyoto sind im Vergleich zum Sennyo-ji genauso schön, aber deutlich mehr frequentiert.

Am Eingang wollten wir uns für den Rückweg ein Taxi rufen lassen, doch ein junger Angestellter schlug vor, uns mit ins Tal zu nehmen, da er sowieso gleich los fahren würde.

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14876508_1248200098586592_8853144305220434077_oDie Fahrt war recht lustig, auch wenn Katrin und ich vom Gespräch zwischen Julia und dem Fahrer kein Wort bis auf das japanische Wort für Deutsch verstanden. Eigentlich ging es darum, was wir Deutschen beispielsweise von Klopantoffeln halten und wie das Wetter ist. Wer in Japan eine Toilette in einem Gästehaus oder auch in einem Restaurant besucht, findet vor der Toilette extra Schuhe, die nur dem Toilettengang vorbehalten sind. Meine Erfahrung zeigte mir, dass ich meist das Zurückwechseln vergesse und mit diesen Pantoffeln noch eine Weile durch das Gebäude laufe.
Unser Fahrer hatte sicher am Abend viel zu erzählen, über diese Deutschen, die sich in die Berge verirren.
Bei der Frage, was wir denn von Sashimi, also rohem Fisch halten, gab Julia die Geschichte zum Besten, dass wir Deutschen ja auch rohes Fleisch essen, im Sinne von Hackepeter. Aufgrund seiner Reaktion vermute ich, dass das dann am Abendbrottisch das Thema Nummer eins war.

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Mit dem Zug fuhren wir ein paar Stationen zurück Richtung Karatsu, da wir zur abendlichen Stunde noch einen Onsen besuchen wollten. Wir stiegen leider eine Station zu früh aus, da wir nicht recht wussten, wie sich der eigentliche Bahnhof nannte. Am Bahnsteig von Dairyu wurden wir von zwei seltsamen Personen angesprochen, die auf den ersten Blick Japaner hätten sein können, aber kein Wort Japanisch sprachen und Anstalten machten sich an unsere Fersen zu heften. Wir ergriffen zu Fuß die Flucht, anstatt auf den Zug zu warten. Die paar Kilometer würden wir auch so überwinden können.
dsc00282Wir folgten der Straße, an Feldern, Bergen und kleinen Häusern vorbei. Es wirkte herrlich ländlich. Mittlerweile brach die Dunkelheit herein. Vom eigentlichen Zielbahnhof bis zu den heißen Quellen brauchten wir noch einmal eine Viertelstunde.
Im Onsen gab es mehrere Außenbecken mit unterschiedlichen Temperaturen. Es waren recht wenige Besucher vor Ort, weshalb wir uns gut entspannen konnten.
Nach einer Stunde fuhren wir mit dem hauseignen Shuttle zum Bahnhof zurück. Die Heimfahrt verschlief ich fast vollständig.
dsc00291In Meinohama, wo sich unsere Wege für den heutigen Tagen sowieso getrennt hätten, gingen wir mit Julia in einem bahnhofsnahen Restaurant essen. Wir saßen in abgeteilten Separees, wo man den Zigarettenrauch der anderen Besucher kaum wahrnahm und futterten uns durch die Speisekarte. Wir bestellten unter anderem frittierte Udonnudeln, Sashimi, in Omelette gebackene Nudeln bzw. Reis, Gyoza und Hähnchen. Ich liebe japanische Essen, also nicht alles, aber das hier schon.

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