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Mittwoch, 26.10. – Kyoto

Der Tag versprach trocken, aber auch schwül zu werden.
Nach dem Frühstück liefen wir durch das Gionviertel zur Haltestelle Higashiyama, um von dort aus mit der Tozai Linie zum Daigo-ji Tempel zu fahren.
Der Plan war gut, allerdings wussten wir nicht, dass an der Haltestelle Higashiyama noch eine weitere Linie verkehrte, die irgendwohin fuhr, nur nicht dahin, wo wir hinwollten, nämlich nach Daigo.
Das erklärte im Nachhinein auch, warum am Bahnsteig noch Leute standen und nicht in den Zug einstiegen.
Den Fehler bemerkten wir erst, als wir immer weiter ins Gebirge fuhren und keine Ansage kam, die auch nur im Ansatz nach der Haltestelle „Daigo“ klang.
Kurz vor der Stadt Otsu stiegen wir in einem kleinen Ort aus und studierten umgehend die Bahnkarte.

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Der Bahnmitarbeiter am Gleis versuchte uns auf Japanisch weiterzuhelfen. Wir mussten 5 Stationen zurück, um wieder in die Tozai Linie wechseln zu können.
Da es der Job des netten Herrn war, auf diesem Provinzbahnhof die Tickets zu kontrollieren, hielt ich ihm meines unter die Nase, aber so verdeckt, dass er den gezahlten Betrag von 290Yen nicht sah. Wir hätten definitiv  nachzahlen müssen, denn von unserem gestrandeten Ort bis Daigo kostete die Fahrt 560Yen. Zu unserem Glück schaute der Mann nicht genau hin und wir passierten.

dsc05665-kopieMit dem nächsten Zug fuhren wir bis Keihan-Yamashima, wo es laut Karte eine Umstiegsmöglichkeit gab. Dass diese außerhalb des Bahnhofsgeländes lag und wir doppelt zahlen müssten, wussten wir nicht. Ein Mitarbeiter machte uns darauf aufmerksam, dass wir bis Misasagi fahren könnten. Also verbrachten wir weitere 10 Minuten mit Warten auf den nächsten Zug.
In Misasagi erwischten wir endlich die Tozai Linie, die uns ans Ziel brachte.
Im Nachhinein war die Irrfahrt gar nicht so schlimm gewesen, denn für 290Yen (ca. 2,70€) bekamen wir echt viel zu sehen und eine Stunde Zugabenteuer.

An der Daigo Station war der Weg bis zum Daigo-ji gut ausgeschildert und nach einer Viertelstunde Marsch durch eine Wohngegend den Berg hinauf erreichten wir das Gelände.
Eigentlich fuhr am Bahnhof ein Bus zum Tempel, aber da wir die richtige Linie nicht kannten und wir uns für den Tag schon genug verfahren hatten, liefen wir lieber.

15016225_1253544808052121_6357045561515509415_oAm Eingang stand ein großes Schild, das 1500Yen Eintritt verkündete. Das war heftig. Allerdings umfasste der Eintritt alle drei Teile des Tempelareals, was riesig erschien.
Also löhnten wir die fast 13€ und fingen mit dem unteren Teil an, der eine schöne Gartenanlage mit Tempelhallen umfasste.
Für Kyotoer Verhältnisse waren sich kaum Besucher auf dem Gelände, bis auf eine Seniorenreisegruppe und eine Handvoll Individualtouristen.

dsc05683-kopieIm oberen Tempelteil befanden sich die Haupthalle, eine fünfstöckige Pagode und der bekannte Bentendo, ein Pavillon an einem kleinen Teich.
Den Besuch des Bentendo hatte ich mir ganz oben auf meine Wunschliste gesetzt, da dieser im Herbst besonders schön im roten Blättermeer erschien.
Bei unserem Besuch war noch nicht allzu viel rot, aber das reichte schon und war mehr als ich erwartet hatte.
Wir verweilten ein wenig und genossen die Atmosphäre.

Der dritte Teil des Geländes umfasste eine Art Museum und da wir zum einen nicht ganz von Museen begeistert waren und noch mehr vor hatten, kehrten wir schnell zum Bahnhof zurück.
Vielleicht hätte sich auch nur der Eintritt für den mittleren Teil gelohnt, aber das konnten wir vorher nicht erahnen.

15443176_1304465189626749_8797046726353795147_oMit der Tozai Linie ging es bis zur Endstation Rokujizo, wo wir in die JR Nara Linie Richtung Kyoto wechselten, die wir kostenfrei nutzen konnten. Nach einer Haltestelle verließen wir den Zug in Momoyama, denn ich wollte das nicht weitentfernte und scheinbar recht unbekannte Fushimimomoyama Castle besuchen. Dieses Schloss befindet sich in einem Waldstück auf dem Berg, ist aber gut zu finden, da es nicht viele Wege zum Verirren gibt.
Der Wald, den wir durchquerten, erinnerte an den Regenwald.
Der Weg endete schließlich in der Nähe des Schlossparkplatzes, der wie ausgestorben schien, da nur zwei Autos darauf standen. Im Vergleich zu anderen Schlössern wie Himeji war das sehr außergewöhnlich.

Das Gelände war frei zugänglich, obwohl das Schloss selbst für die Öffentlichkeit gesperrt ist.

15626400_1315020975237837_7148941927719309666_oDas Fushimimomoyama Castle hinterließ einen ganz besonderen Eindruck bei mir.
Die beiden Burgtürme ragten stolz über die Parkanlage auf und mit Katrin und mir waren höchstens noch eine Handvoll anderer Besucher vor Ort. Damit war es herrlich ruhig und gerade wegen der wenigen Menschen war ich von der Burg sehr angetan.
Wir verließen das Gelände auf der anderen Seite, um zum Fujinomori Bahnhof zu kommen. Nach zwanzig Minuten Fußmarsch, mit Unterbrechung am Eisautomaten, erreichten wir die Station.
Einen Halt später verließen wir in Inari den Zug und sofort war es vorbei mit der Ruhe.
Massen an Touristen drängten sich am Bahnsteig und bevölkerten die Straßen zum Fushimi Inari Schrein.
Berühmt ist der Fushimi Inari für seine unzähligen roten Torii, die sich den Berg hinauf zum Schrein schlängeln.

Wir kürzten den Weg am Teich etwas ab, um den Besucherströmen eine Zeitlang zu entkommen.
Als wir den Torii den Berg hinauf folgten, betraten wir mir unbekanntes Terrain, denn ich hatte beim letzten Besuch nur das erste Teilstück erkundet.
Je höher wir kamen, auf desto weniger Besucher trafen wir.
Der Wald dampfte vor Feuchtigkeit und beim Schrein auf halber Berghöhe standen viele kleine steinerne Fuchsfiguren an den Torii.
Es herrschte fast eine mystische Atmosphäre.

dsc05895Der Weg wäre weiter den Berg hinaufgegangen, aber das wollten wir nicht, sondern stiegen wieder in Tal ab.
Bevor wir zum 25 Minuten entfernten Tofukuji Tempel aufbrachen, stärkten wir uns an einigen der zahlreichen Verkaufsständen, die vor dem Fushimi Inari standen. Es gab eine Art gebratene Reisbällchen in Soße und mit Bacon umwickelte Reisklumpen, die mit Käse überbacken waren.

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Wir folgten einer kleinen Straße durch ein Wohngebiet, parallel zur Bahnstrecke. So konnten wir den Touristenmassen etwas entgehen.
dsc05918-kopieIn einem der vielen kleinen Läden an der Straße befand sich ein Teegeschäft, wo Katrin und ich Teedosen erstanden, die die ältere Ladeninhaberin kunstvoll verpackte.
Auf dem Weg zum Tofukuji entdeckte ich immer wieder Ecken, die ich vor 6 Jahren schon einmal fotografiert hatte. Es wirkte fast alles unverändert: die kleinen Nebenstraßen, der Friseurladen, der mit einer witzigen Figur draußen warb. Nur ein Restaurant hatte sich mittlerweile in einen Tiersalon verwandelt laut dem Werbeschild.

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Den Tofukuji besuchten wir nur von außen, wo ich mir ein Stück grünen Teekuchen gönnte.

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15288559_1280189938720941_3376382978767571109_oMit der Metro fuhren wir bis Gion Shijo. Wir schlenderten etwas durch die Einkaufsstraßen, erwarben dabei einen Teeschneebesen und besuchten den Yasaka Schrein. Dort gab es zahlreiche Essenstände und ich konnte einen Riesenkrabbenfleischspieß verkosten.

Durch den Maruyama-Park eroberten wir das Kiyomizuviertel, wo wir in einem Ghibli Store fast ein kleines Vermögen ausgaben. Aber wie soll ich sagen… es ist Ghibli und ich liebe es.
Durch die Gassen schlenderten wir zurück zur Unterkunft, denn es wurde mittlerweile dunkel und die Füße wollten nicht mehr.
Bei Fresco erstanden wir unsere obligatorische Nudelsuppe, dann hieß es Sachen zusammenpacken, duschen und entspannen, wobei meine Wenigkeit noch die Bekanntschaft mit einer Schiebetür machte inkl. Beule als Souvenir.

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