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Dienstag, 25.10. – Nara

dsc01636-kopieIch hatte am Abend mit Julia geschrieben und ihr von meinen Schmerzen im Fuß berichtet. Das Problem ist, das man in Japan kaum wirkungsvolle Medikamente bekommt und sich deshalb ein Apothekenbesuch kaum lohnt.
Julia hatte mir empfohlen, eine hohe Dosis Ibuprofen einzuwerfen, da es entzündungshemmend wirkt.
Und es hatte wirklich geholfen. Ich merkte zwar noch, dass der Fuß nicht ganz in Ordnung war, aber relativ schmerzfreies und normales Laufen war wieder möglich. Auch sonst war die Nacht recht gut gewesen, bis auf das ab und zu die Schiebetüren durch den Wind klapperten, der durch die Fensterspalten wehte.
Bevor es zur Metro ging, versuchte ich meine immer noch nassen Schuhe in der Klimaanlage zu trocknen, was allerdings nicht gelang und sie deshalb Bekanntschaft mit dem Mülleimer machten. Ein paar hatte ich noch.

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An der Metrostation prüften wir zunächst die Größe und Anzahl der vorhandenen Schließfächer, denn an unser Abreisetag aus Kyoto würden wir früh die Unterkunft verlassen müssen. Doch bevor wir nach Osaka weiterreisen würden, wollten wir den Tag in Kyoto verbringen, aber ohne schweres Gepäck und das mussten wir schließlich irgendwo unterbringen.
Die ausreichende Zahl der Schließfächer beruhigte uns und wir fuhren weiter zum Hauptbahnhof, wo wir in den Zug nach Nara wechselten. Wieder einmal konnten wir dank unseres Japan Rail Passes kostenfrei fahren.

Der Zug war sehr voll. Der Mann, der mir gegenüber saß, wechselte später extra für uns den Sitzplatz, damit Katrin und ich zusammensitzen konnten.

dsc01724-kopieIn Nara angekommen, erinnerte ich mich dunkel an den Weg zum Kofukuji Tempel. An sich musste man nur einer langen Einkaufsstraße folgen.
Dort fanden wir eine Apotheke, in der ich eine Notfallpackung an Ibuprofen erstehen wollte, für den Fall, dass ich mir noch einmal helfen müsste.
Ich hatte das Gefühl, die Apothekerin bekam einen leichten Schock, als ich ihr die Packung Ibu400 vorlegte. Julia hatte mir vorher die japanische Übersetzung des Medikaments geschickt, was gut war, denn scheinbar konnte die Dame die lateinische Schrift nicht lesen. Nachdem sie wusste, was ich wollte, meinte sie nur, dass meine Variante ja ganz schön stark sei und es hier nur Ibu125 oder 150 gäbe. Es half alles nichts, so nahm ich die höchste Dosierung, die sie mir bieten konnte.

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dsc01664-kopieTeile des Kofukuji waren eingerüstet, wobei ich mich sowieso nicht daran erinnern konnte, dass dort schon mal ein Gebäude gestanden hatte.
Plötzlich wurden wir von einem Mann auf Englisch angesprochen, der sich als Mitarbeiter des Fremdenverkehrsamtes vorstellte, uns ein wenig über unsere Herkunft ausfragte und schließlich zu einer Origamibastelstunde ins Touristenbüro einlud. Wir bedankten und merkten uns das für den Heimweg vor.

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14976392_1249157121824223_3445561405742978843_oUnser nächster Anlaufpunkt war der Tōdai-ji mit dem Großen Buddha. Dieser hat mich schon bei meinem ersten Besuch sehr beeindruckt.
Auf dem Weg dorthin tummelten sich überall Rehe, die sich genau wie wir vor einem Regenschauer unter einem Baum in Sicherheit brachten.

Kurz vor dem Tempel passierten wir mehrere moderne Museen, bei denen ich mir ganz sicher war, dass es sie das letzte Mal nicht gegeben hatte oder ich hatte sie wirklich komplett aus meiner Erinnerung gestrichen.

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Der Tōdai-ji wurde teilweise renoviert, nur die riesige Haupthalle stand frei.
Die Größe des Holzgebäudes und des darin befindlichen Buddhas (Daibutsu) hatten nichts von ihrer imposanten Wirkung verloren. Man fühlt sich wirklich klein dagegen.

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dsc01756-kopieWir hatten den richtigen Zeitpunkt für den Besuch des Daibutsus gewählt, denn draußen öffnete der Himmel seine Schlote.
Wir warteten kurz ab und nachdem der Regen etwas nachließ, gingen wir auf Souvenirjagd und verkosteten eine japanische Kaki, die zwar eine etwas andere Form hatte, aber genauso gut schmeckte. Kakis schienen in Japan fast in jedem Vorgarten zu wachsen.

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Der Weg zum Kasuga-Taisha Schrein war gesäumt von steinernen Laternen. Leider war er geschlossen und wir konnten nur von außen schauen. Dafür kauften wir uns einige typische Glücksbringer.
Da es aufgehört hatte zu regnen, spazierten wir durch den Wald zu ein paar kleineren benachbarten Schreinen. Wir waren die einzigen Leute, die unterwegs waren.

Bevor wir das Touristenbüro erreichten, entdeckten wir ein kleines, etwas verstecktes Restaurant, in dem eigentlich französische Chansons auf Japanisch liefen.
Katrin bestellte sich Udon mit Ei und einem Honig-Ingwer-Getränk und ich aß grüne Sobanudeln und trank einen heißen Matcha Latte.
Während wir speisten, versuchte ein frecher Hirsch ein Glas mit Eiswaffeln zu klauen und stieß es bei dem Versuch vom Tresen. Es scherbelte. Die auf den versuchten Diebstahl aufmerksam gewordenen Mitarbeiter verjagten den Hirsch mit einem Besen.

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img-20161025-wa0023Das Touristencenter war gut gefüllt. Wir durften Tee verkosten, den wir anschließend auch mitnehmen durften und falteten unter Anleitung einen Hirsch.

Eigentlich wollten wir zum Bahnhof aufmachen, doch nach einer kleinen Einkaufsrunde, mussten wir einfach an einem Massagestudio rasten, wo eine zwanzigminütige Massage für 1500Yen angeboten wurde.
Man gönnt sich ja sonst nichts.
Das Personal winkte uns fröhlich herein und schien sich zu freuen, dass auch mal ein paar Ausländer auf den Laden aufmerksam wurden und nicht nur die Einheimischen.
Ich wurde gleich von meiner Liegennachbarin, einer Japanerin mittleren Alters, auf Englisch angesprochen, wo wir den herkämen, woraufhin sie gleich ihren deutschen Wortschatz zum Besten gab. Später fragte sie, ob wir das Wesen Totoro kennen würden und als ich „natürlich“ antwortete, wirkte sie etwas überrascht. Ich erklärte ihr, dass der Anime Totoro zu einem meiner liebsten gehörte, was sie und die Angestellten erfreute, denen sie mein Gesagtes übersetzte. Ihr Masseur erklärte, dass Totoro sogar über 1300Jahre alt ist. Wieder was gelernt.
Die Ganzkörpermassage tat sehr gut und als wir schon gehen wollten, rief uns meine Liegenachbarin zurück. Wir sollten doch mal solche Beinmassageschläuche ausprobieren. Das wäre kostenfrei.
Wenig später steckten unsere Beine und Füße in langen blauen Schläuchen, die sich mit Luftdruck aufbliesen. Es war schon ein seltsames Gefühl, besonders weil das Ganze recht futuristisch anmutete.
Zum Abschied verabschiedete sich der Mann am Empfang sogar auf Deutsch.
Allerdings war es nur ein kurzer Abschied, denn am Bahnhof fiel mir auf, dass ich meinen brandneuen transparenten Schirm im Laden vergessen hatte und so gab es ein kurzes Wiedersehen.

Mit dem Bummelzug erreichten wir abends wieder Kyoto. Wir drehten noch eine Abschlussrunde durch das nächtliche Gion, wo wir mehreren Geishas und Maikos begegneten. Jedes Mal hatte ich das Gefühl, sie stammen aus einer anderen Welt.

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