Schlagwörter

, , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Tag 5 – Golden Circle und Reykjavik

Es herrschte wieder einmal traumhaftes Novemberwetter und der Tag  versprach wettertechnisch keine Besserung.
Nach dem Frühstück und dem Aufräumen des Cottages verließen wir die Gegend von Meðalfellsvatn und folgten dem Golden Circle (isl.: Gullni hringurinn).
Dieser Rundweg gehört zu den beliebtesten Reiserouten Südisland und hier wird man auch die meisten Touristen treffen, denn die drei bekanntesten Sehenswürdigkeiten liegen auf dieser Strecke, die locker an einem Tag zu schaffen ist.

DSC02207 KopieUnser erstes Tagesziel Þingvellir erreichten wir gegen viertel 9. Da Parkgebühren erst ab 9 Uhr fällig waren, sputeten wir uns etwas, wobei das Wetter auch nicht für einen gemütlichen Spaziergang geeignet war. Þingvellir liegt inmitten einer Grabenbruchzone umgeben von Vulkansystemen. An dieser Stelle wird Island irgendwann auseinanderbrechen, da sich die eurasische und die nordamerikanische Platten voneinander wegbewegen. Man findet viele kleine Risse und Felsspalten, die davon zeugen, dass die Erde in Bewegung ist. 2010 stürzte unteranderem ein Teil der Allmänner-Schlucht bei einem Erdbeben ein.
Da es sehr neblig war, reichte der Blick nicht sehr weit. Doch weniger das Aussehen Þingvellir, mehr die tektonische und auch historische Bedeutung dieses Ortes finde ich spannend. Schon um 930 wurden hier die ersten Gerichte und Parlamentsversammlungen abgehalten.

Es war noch sehr früh am Tag, weshalb wir fast die einzigen Besucher waren, doch bei der Rückkehr zum Auto, kamen die ersten Reisebusse an und der Parkplatz füllte sich merklich.

13442445_1110073099065960_959403024458188717_o1

IMG_20160526_094613Anne hatte sich den Plan geschrieben, unbedingt einmal Trockenfisch zu probieren, nachdem es ihr empfohlen worden war. Wir hatten schon die Tage davor Ausschau danach gehalten, aber nichts entdeckt, was wir dafür hielten. An einer Tankstelle fragten wir den Verkäufer, in einer Hand die Übersetzung, in der anderen die Packung, die wir für das Gesuchte hielten, ob wir das Richtige erwischt hätten. Er stutzte kurz, lachte und meinte, so was in der Art. Unsere Übersetzung bedeutete den ganzen Fisch und nicht nur diese kleinen Stücke wie in der Packung, aber er wusste, was wir meinten. Katrin, Anne und ich teilten uns bei einem Preis von 8€ rein, damit der geldliche Verlust besser verschmerzbar ist, wenn das Geschmackerlebnis nicht so berauschend sein würde.
Im Auto öffnete Anne die eingeschweißte Packung und sofort breitete sich ein intensiver Fischgeruch aus, was uns veranlasste die Fenster zu öffnen. Nach etwas Herumzerren am Fisch bekam jeder ein Stück. Das Ergebnis: der Fisch war mehr als trocken und zäh und schmeckte eigentlich nur nach dem eingelegten Salz. Mehr als ein wenig darauf herum zu kauen, schafften wir nicht. Die nächste Mülltonne war nicht weit.

13422235_1114952861911317_7752453662812019118_oUnser nächstes Ziel war das Gebiet Haukadalur mit den berühmten Geysiren und heißen Quellen. Im Internet hatte ich gelesen, dass es vor Jahren die Diskussion gab dort Eintritt zu verlangen, aber scheinbar war das Thema vom Tisch. Überall blubberte es, starker Wind trieb den Dampf vor sich her. Warnschilder wiesen darauf hin, dass man weder Steine werfen, noch das Wasser berühren sollte, da es zum einen zwischen 80-100°C heiß ist und das nächste Krankenhaus 60km entfernt liegt.
13268240_1101617459911524_1803181181762759912_oAls wir den Geysir Strokkur erreichten, hatten sich schon einige Besucher darum versammelt, weshalb wir vermuteten, dass er wohl bald ausbrechen würde. Nach einigen Minuten blubberte es leicht und wir meinten noch, jetzt würde es wohl bald losgehen, als plötzlich das Wasser explodierte und eine gewaltige Wassersäule nach oben schoss. Kurz darauf folgte noch eine kleine und dann war der Spuk wieder vorbei. So schnell hatte ich gar nicht mit einem Ausbruch gerechnet, deshalb waren wir fotografisch nicht vorbereitet gewesen. Da wir nun wussten wie so ein Ausbruch von statten geht und der nächste erst wieder in etwa 10-20min auf den Plan stand, konnten wir ein wenig zwischen den Quellen herumspazieren.
Der Große Geysir, der Namensgeber für alle geothermalen Quellen dieser Art ist, ist der älteste bekannte, gelegentlich aktive Geysir. Er bricht nur in unregelmäßigen Abständen aus, doch wenn er es tut, ist das sicher beeindruckend, denn seine Quelle erscheint recht groß, Während unserer Besichtigung spuckte Strokkur ein weiteres Mal sein Wasser in den Himmel. Aufgrund des Windes musste man schon aufpassen, wo man stand, um nicht das heiße Wasser abzubekommen. Deshalb war es mir auch nicht verständlich, warum einige Besucher trotzdem durch den Dampf des Geysirs gehen mussten, auch auf die Gefahr hin, sich bei einem plötzlichen Ausbruch zu verbrühen.

13329618_1103746386365298_8665731138138459960_o

Während Katrin und Kali schon zum Auto eilten, um sich aufzuwärmen, blieben Anne und ich noch etwas im Regen stehen, um einen weiteren Ausbruch zu beobachten. Die Kamera war eingestellt und nach etwa 5 minütigem Warten, war es so weit: erst wieder die Wasserblase und dann die Fontäne. Diesmal gelangen die Bilder.

13329393_1101617493244854_1917410673461227437_o

Der Golden Circle führte uns weiter zum wohl bekanntesten Wasserfall Islands, dem Gullfoss.
Hier stürzen sich riesige Wassermassen über zwei Stufen in eine 70m tiefe Schlucht. Das macht ihn für mich zum beeindruckensten Wasserfall. Man kann ihn von zwei Positionen betrachten, einmal oben von der Klippe und zum anderen führt ein Weg auf die Wasserebene, der dann direkt an der Schlucht und dem Wasserfall endet. Bei sonnigem Wetter entsteht regelmäßig ein großer Regenbogen und in der Abendsonne schimmert die Gischt golden. Daher hat der Gullfoss seinen Namen („goldener Wasserfall“).
DSC02304 KopieAuf dem Gelände befindet sich ein Denkmal für die Bauerntochter Sigríður Tómasdóttir. In den 1920er Jahren wollten britische Spekulanten den Wasserfall für die Energiegewinnung nutzen, was das Ende für den Gullfoss bedeutet hätte. Sigríður führte jahrelang einen juristischen Kampf gegen diese Spekulanten und drohte schließlich mit ihrem Freitod im Wasserfall, was die Briten von ihrem Vorhaben abbrachte. Seit 1979 steht der Gullfoss unter Naturschutz.
Trotz des Nieselregens beschlossen Anne und ich uns bis zur Plattform am Wasserfall vorzuwagen, auch wenn die Besucher, die uns entgegen kamen teilweise besonders nass durch die Gischt aussahen. Deshalb versteckte ich meine Kamera unter dem Regencape.
Im Gullfoss Center erstanden wir noch einige Karten und Souvenirs. Darunter gab es eine Karte, die den Wasserfall komplett zugefroren zeigte. Dafür würde sich sicher ein Besuch im Winter lohnen.

DSC02310 KopieAuf unserer Fahrt zurück nach Reykjavik legten wir aufgrund meines Wunsches einen kurzen Stopp beim Kratersee Kerið ein. Während die anderen ein Nickerchen im Auto machten, spazierte ich im den Krater herum und stieg bis auf den Wasserspiegel hinab. Das rote Gestein und der leuchtend blaue See ergaben einen schönen Kontrast. Dafür lohnt sich der Eintritt von ca. 3€.
Zwischenzeitlich wurde ich von einem, ich vermute, Inder angesprochen, um Erinnerungsfotos von ihm zu machen. Auf die Frage hin, wo ich denn herkomme und ich mit Deutschland antwortete, meinte er, er habe den Eindruck, dass auf dieser Insel nur Deutsche unterwegs sind. Ja, diesen Eindruck hatte ich mitunter auch.

DSC02352 Kopie
DSC02358 KopieAuf direktem Weg fuhren wir nach Reykjavik und ließen unser Auto im Diplomatenviertel nahe des Rathauses stehen. Das Wetter hatte sich gebessert, also konnten wir entspannt zu einer weiteren Erkundungstour aufbrechen. Das Rathaus ist schön einem Park mit See gelegen, dahinter erstreckt sich die Altstadt. Jeder von uns wollte noch ein paar Kleinigkeiten kaufen, so durchstöberten wir die Geschäfte. Wir machten noch einen kleinen Abstecher zum alten Hafen, wobei wir uns darunter etwas anderes vorgestellt hatten. Das ganze Areal wirkt mit seinen Schiffen, flachen Bauten, die Whalewatching Touren und Puffinbeobachtungen anboten, weniger romantisch als angenommen.
Gegen halb 6 fanden wir noch einen bezahlbaren amerikanischen Diner, wo wir unsere Postkarten schreiben konnten.

Dies war unser letzter Tag in Island. Der Heimflug sollte gegen nachts um 1 starten und ich hatte mit der Mietwagengesellschaft ausgemacht, den Wagen spätestens gegen 21Uhr abzugeben.

DSC02378 KopieSo blieb uns noch mehr als genug Zeit die Gegend unsicher zu machen. Wir beschlossen auf einem Umweg Richtung Flughafen Keflavík zu fahren und einen Abstecher zur Strandarkirkja zu machen. Der Name versprach eine Kirche am Strand. Das Wetter wurde merklich schlechter und von der Landschaft sahen wir nicht viel. Nach etwa einer Stunde erreichten wir den kleinen Ort am Meer mit seiner kleinen hellgrauen Kirche. Drinnen brannte Licht. Die anderen verspürten keine rechte Lust den warmen Wagen gegen kalten Regen zu tauschen, so war ich die Einzige, die sich auf dem Weg zur Strandarkirkja machte.
Die Kirche bot Platz für etwa 50 Leute, war holzgetäfelt und schön ausgeleuchtet.
Nach einen kurzen Dauerlauf über den Friedhof, rettete ich mich zurück ins Auto.

DSC02372 Kopie

Die Abgabe unseres Autos verlief problemlos, keine Kratzer oder ähnliches, auch wenn der Herr am Schalter besonders grimmig dreinschaute.

Wir wurden zum Flughafen gebracht, wo wir feststellen mussten, dass zu unserer Abflugzeit 3 weitere Flüge mit Air Berlin starteten, aber Air Berlin nur wenige Schalter besaß. Also stellten wir uns vorsichtshalber schon mal an, auch wenn die Schalter erst in einer Stunde öffnen sollten. Das stellte sich als gute Entscheidung raus, denn als der Check-in begann, führte die Warteschlange durch die gesamte Abflughalle und aus dem Gebäude hinaus.

Die restliche Zeit verbrachten wir mit Schlafen im Wartebereich.
Unser Flugzeug startete aufgrund von Verladungsproblemen eine Stunde zu spät. Draußen war es tiefschwarze Nacht, was allerdings nur am Regenwetter lag, denn sobald wir die Wolken hinter uns gelassen hatten, leuchtete der Horizont. Selbst im Mai wird es in Island nicht mehr richtig dunkel, außer die Wolken helfen.

Nach etwa 3,5 Stunden Flug landeten wir verspätet gegen halb 7 morgens auf dem Flughafen Tegel. Ich hatte im Vorfeld ein Taxi reserviert, um uns nach Schönefeld zubringen lassen und hoffte, dass der Abholdienst nicht zu lange warten würde. Auf dem Flughafen wurde uns bewusst, dass es langsam Zeit wird, den BER fertig zu stellen. Die Gepäckausgabe war sehr unkoordiniert, da sich auf dem kleinen Gepäckband auch Stücke befanden, die mit unserem Flug nichts zu tun hatten und neue Gepäckstücke erst kamen, wenn das Band frei war. Das Ganze dauerte eine schiere Ewigkeit, bis wir anfingen das Gepäckband selbst leer zu räumen, um endlich unsere Koffer zu bekommen.
Am Ausgang empfing uns ein freundlicher Taxifahrer und der Transfer verlief ohne Probleme. Er brachte uns sogar direkt bis zu meinem Auto.

Auf der Heimfahrt fühlte ich mich wacher als erwartet, denn eigentlich vertrage ich Schlafmangel gar nicht. Kali und Katrin konnten in der Zeit dösen, bis wir noch einen Frühstückspause bei McD einlegten und schließlich wieder daheim ankamen.
Fazit:
1. Das Wichtigste: keine Streitigkeiten, also wir mögen uns immer noch J
2. definitiv mehr Zeit einplanen, auch für Wanderungen etc. Diesmal war es ein erstes Kennenlernen.
3. Allerdings würde ich auf einer längeren Reise mehr Verpflegung mitnehmen, da Island nahrungstechnisch wirklich teuer ist.
4. Wetterfeste Kleidung ist unbedingt erforderlich.
5. Genauso wie höher gelegte Autos.

 

Advertisements