Schlagwörter

, , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Tag 3 – von Vík í Mýrdal nach Meðalfellsvatn

Eigentlich bestand dieser Tag nur darin wieder die gleiche Strecke von Vík Richtung Reykjavik zurück zu fahren und eventuell noch einige Zwischenstopps dort einzulegen, wo wir am Vortag nicht gewesen waren. Unser Tagesziel war der See Meðalfellsvatn, an dem unsere Unterkunft lag.

13442620_820434541422211_4620241204508304501_o

Der Morgen begann recht sonnig und so beschlossen Anne, Katrin und ich vor dem Frühstück noch einmal zum Strand zu gehen und nach Puffins Ausschau zu halten. Und wir hatten Glück. Auf unserem Weg zum Vogelfelsen, der die Bucht nach Westen begrenzte, entdeckten wir einige in Gruppen im Wasser. Insgesamt war an diesem Vogelfelsen jede Menge los. So viele Vögel und Gezwitscher sieht und hört man nur selten.

cats
13411676_1107919622614641_4811543069732506113_oNach unserem ausgezeichneten Frühstück fuhren wir nach einem kurzen Abstecher zu Kirche, auf die andere Seite des Vogelfelsen zum Black Sand Beach, dem Lavasandstrand, den wir am vorherigen Tag schon von Dyrhólaey gesehen hatten. Der Strand hat alles zu bieten, was man an einem isländischen Strand erwarten kann: Basaltsäulen, wildes aufgewühltes Meer, die spitzen Felsnadeln Víks, runde Kiesel auf schwarzem Sand und jede Menge Vögel, inklusive Puffins und Eissturmvögeln, die Möwen zum Verwechseln sehr ähnlich sehen. Wir verbrachten einige Zeit dort mit Fotografieren und Vogelbeobachtung. Ein wirklich toller Ort, auch wenn recht viele Leute zur frühen Stunde unterwegs waren, hatte ich trotzdem den Eindruck von Ruhe.

13411622_815801878552144_5633797401253004826_o

cats

Mit dem Auto folgten wir wieder der Hringvegur zum Gletschergebiet Mýrdalsjökull. Wir hatten auf der kleinen Karte, die wir von unserem Guesthouse bekommen hatten, zwei kleine Straßen entdeckt, die zu diesem Gletscherplateau führen sollten. Also nahmen wir die erste Straße, in der Hoffnung uns dem Gebiet und der Gletscherzunge Sólheimajökull von hinten nähern zu können.
IMG_20160524_112154
DSC01899Anfangs war die Straße noch normal asphaltiert, doch nach wenigen Kilometern verwandelte sich das Ganze in eine extreme Schotterpiste mit großen Steinen und tiefen Schlaglöchern. Irgendwann fiel der Satz: „Das ist bestimmt eine F-Straße.“ Auf meine Nachfrage, was denn das sei, kam prompt: „Das steht auf dem Schild vor dir… eine Straße, die wir nicht nutzen dürfen.“ Richtig. Vor mir klebte die ganze Zeit ein Schild mit Erklärungen, welche Straßen wir denn nicht nutzen dürfen.
DSC01903 Kopie
Nun denn… jetzt waren wir einmal auf der Piste, genug Steine hatten schon gegen das Auto geschlagen. Jetzt wurde durchgezogen, auch wenn es mit einem Jeep sicher entspannter gewesen wäre. Der Holperweg schlängelte sich in die Berge hinauf, durch eine Marslandschaft hindurch, immer weiter dem Eis entgegen.
Nach einer gefühlten Ewigkeit entschlossen wir nach einer kurzen Pause umzudrehen, denn von der Gletscherzunge war weit und breit nichts zu sehen und bis auf karge Landschaft, Geröll und einigen Eisflächen gab es nicht viel zu entdecken. Außerdem pfiff der Wind sehr kalt um die Nasen.
Katrin holperte den Wagen sicher Richtung Tal zurück, hätte ich am Steuer gesessen, wären wir gar nicht erst die Berge hochgefahren.

So nahmen wir die nächste Abzweigung, wo auch ein Reisebus und mehrere Autos darauf hindeuteten, dass wir auf dem richtigen Weg waren.

13576904_828841670581498_8335344539233344231_o

Schon von weiten die Gletscherzunge Sólheimajökull zu sehen, auf die viele orangegekleidete Wandergruppen zusteuerten. Wir verließen recht schnell den Hauptweg vom Parkplatz bis zum Gletscher und wanderten am Rand des Sees entlang durch den schwarzen Lavasand. Auf dem See schwammen einige Eisschollen, die sich Kali und Anne von einer kleinen Sandbank aus näher ansehen wollten. Allerdings gab es einen Haken. Der Weg zur Sandbank führte durchs Wasser über eine Barriere aus lockeren Steinen. Kali schaffte es trockenen Fußes, während wir auf der anderen Seite versuchten mit Steinen die Barriere aufzufüllen, um die Weg zu sichern. DSC01924Doch vergebens. So sprang Anne mit minimalen Wasserkontakt über die Steine („Steinhopping“). Eine andere Variante wäre gewesen, es dem jungen Mann, der über die Sandinseln spazierte, gleich zu tun und einfach mit hochgekrempelten Hosen und barfuß durch das eiskalte Wasser zu waten.
Der Rückweg war für die beiden dann weniger trocken und beide konnten die Wassertemperatur am eignen Leib spüren. Wobei sie sich trotzdem besser anstellten, als ich es gemacht hätte, denn ich wäre mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit komplett mit Ausrüstung im Wasser gelandet.
Während wir unseren Weg zum Gletscher fortsetzen, war besagter junger Mann wohl der Meinung, das Gletscherwasser am ganzen Leib spüren zu wollen, denn er stellte seine Kamera auf, zog sich splitterfasernackt aus und machte einige Badedurchgänge im See.

13909251_844796192319379_921187583280320245_o

Am Gletscherrand hatten sich schon einige Gruppen versammelt, um zu einer Gletscherwanderung aufzubrechen samt Helm, Eispickel und Spikes. Da wir weder Guide, noch passende Ausrüstung hatten, begnügten wir uns damit am Fuße des Gletschers entlang zu gehen und einige Fotos zu schießen.
Der Gletscher war nicht so blau, wie wir ihn uns vorgestellt hatten, mehr weiß und mit jeder Menge schwarzen Sandes bedeckt. Trotz allem war es sehr beeindruckend einen der letzten Gletscher zu sehen, denn die Entwicklung und das fortschreitende Schmelzen waren gut zu erkennen.
cats
Wir wollten unsere Weiterfahrt noch einmal bei Seljalandsfoss unterbrechen, denn wir hatten am vorherigen Tag gesehen, dass ein paar Besucher oben auf dem Wasserfall entlangliefen und erhofften uns eine tolle Aussicht. Eine Straße in diese Richtung war auch schnell gefunden und so holperten wir wieder einmal den Berg hinauf. Allerdings war von einem Weg zum Wasserfall oder einen Fluss, der die Richtung zeigte, weit und breit nichts zu sehen. Dafür gab es wilde Pferde, einen kleineren Wasserfall und einen schönen Ausblick über die weite Landschaft. Derweil verdunkelte sich der Horizont verdächtig gelb und eine Sandwindhose fegte über die Ebene. An der Raststelle des Seljalandsfoss hielten wir, um uns zu beraten, denn da kam eindeutig ein Sandsturm und über Sandstürme in Island hatte ich bisher nur Schauermärchen gehört. Bei der Abholung unseres Wagens wurde uns eine entsprechende Versicherung angeboten, die ich abgelehnt hatte, mit der Begründung: „ich hoffe auf das Beste“. Das Schlechteste war gerade im Anmarsch und von unserer Position war schwer zu erkennen, wie nah der Sturm der Straße käme.
Da es eigentlich keinen anderen Weg gab, pokerten wir und folgten weiter der Straße Nr 1. Glücklicherweise streifte der Sandsturm uns nur, auch wenn Katrin berichtete, dass einiges an Sand auf das Auto gerieselt war, während wir Übrigen schliefen. Da wir sehr nah daran vorbeifuhren und er uns bis Selfoss folgte, empfand ich diese Situation als etwas beängstigend. Weniger wegen des Sandsturms als solches, viel mehr hatte ich Angst vor Schäden am Auto und den Kosten. Aber alles ging gut.

IMG_20160524_151723Unsere Fahrt wurde unterbrochen von einer Straßensperrung wegen eines Unfalls. Aufgrund dessen mussten alle Fahrzeuge, und das waren viele, einen Umweg über wieder einmal nicht asphaltierte, steinige, sandige und enge Straßen nehmen. Wir folgten einfach der Kolonne, an Pferden vorbei, die sicher Asthma vom aufgewirbelten Sand bekommen würden, über sehr schmale Brücken, über die sich LKWs und Busse quetschten, bis wir irgendwann wieder die Hauptstraße erreichten.

In Selfoss machten wir Halt an einem Supermarkt, um uns für die letzten Tage einzudecken, da sich unsere neue Unterkunft sehr abgelegen von jeglichen Einkaufsmöglichkeiten befand.

13613291_1128523420554261_7897780816393808824_o

Irgendwann schlängelte sich die Hringvegur wieder in die Berge hinauf und vorbei war es mit dem schönen Wetter. Nur noch tiefhängende Wolken und Sturm, der sich besonders bemerkbar machte, als wir einen kurzen Stopp an einer heißen Quelle machten. Als Anne ihre Tür öffnete, wurde meine Straßenkarte aus der Ablage gerissen und verschwand. Irgendwann fanden wir sie völlig durchweicht im Wasser liegen. Wir konnten sie später einigermaßen trocken und sie in Einzelteilen noch ein paar Tage weiter nutzen.
13568916_1128523413887595_8831724005945428494_oDer Wind auf diesen Hochebenen ist nicht zu unterschätzen. Er reißt alles mit, Türen werden aufgerissen und müssen wirklich festgehalten werden beim Öffnen.
Die heiße Quelle war in diesem Fall, wie auch in vielen weiteren, ein Wasserhahn, aus dem unaufhörlich heißer Dampf zischte. In der Nähe stand ein großes leerstehendes Haus an einem hellblauen, warmen See, das vielleicht einmal als Hotel gedacht war.
Auf dieser Hochebene findet man noch einige weitere kleine und große Stellen, aus denen der Dampf zischt und es blubbert. Ein kurzer Halt lohnt sich, solange man seine Sachen festhält.

13497540_1123150417758228_8645546349202392173_o

Auf direktem Weg fuhren wir an Reykjavik vorbei zum Meðalfellsvatn und unserer Unterkunft, einem kleinen süßen Cottage. Dieses war schnell gefunden, allerdings fanden wir in den angrenzenden Gebäuden keinen Besitzer. In der Vermietungsseite war geschrieben worden, dass den Vermietern auch ein Café ganz in der Nähe gehörte, also fuhren wir hin. Das Café war zwar geschlossen, doch vor Ort trafen wir den Mann unserer Vermieterin mit Hund und Traktor, der gleich seine Frau kontaktierte und die uns am Cottage erwartete.
DSC02021Die Lage war traumhaft, auf einer Ebene begrenzt von Bergen, wo Schafe über das Gelände trotteten. Wäre das Wetter schöner gewesen, hätten wir sicher auf der Terrasse gesessen, aber der Wind pfiff unangenehm und es war nieselig kalt. Also ich unsere Vermieterin fragte, ob denn die nächsten Tage auch so stürmisch würden, meinte sie: „Sturm? Für uns ist das Wind.“ Na dann möchte ich nicht wissen, wie sich Sturm in Island anfühlte, denn diese Intensität reichte mir, denn Fotografieren war so nur schwer möglich.

Den Abend verbrachten wir gemütlich mit Tütennudeln und Rumgammeln auf unseren Doppelbetten im Doppelstockformat.

Advertisements